
Ein verklärtes Pop-Idol: Der Michael-Jackson-Biopic zwischen Hagiografie und Auslassung
Die Weltpremiere des lang erwarteten Biopics „Michael“ in Berlin zog Tausende Fans an, die den „King of Pop“ feierten – doch die Begeisterung täuscht über ein grundlegendes Problem hinweg: Der Film, inszeniert von Antoine Fuqua und mit dem Neffen Jaafar Jackson in der Hauptrolle, blendet die schwerwiegenden Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs aus, die Michael Jacksons Vermächtnis bis heute überschatten. Die Handlung endet mit der „Bad“-Tour 1988 und vermeidet damit jede Auseinandersetzung mit den späteren Anklagen. Aus US-amerikanischer Perspektive, insbesondere von Beobachtern in Hollywood, gilt das Werk als bewusste Reinwaschung – die Familie und der Nachlass des Sängers steuerten den Ton, wie die Produzenten einräumten.
Die Estate zahlte Berichten zufolge Millionen für Nachdrehs, um rechtliche Fallstricke zu umgehen, nachdem Szenen über die Anschuldigungen des 13-jährigen Jordan Chandler gestrichen werden mussten. Aus europäischer Sicht, vor allem in der deutschen und französischen Presse, wird das Werk als peinliche Hagiografie kritisiert. Die spanische Zeitung El País spottet über die „engelhafte“ Darstellung, während italienische Kommentare die mutmaßliche Musikverklärung hervorheben.
In Berlin selbst, wie Forbes berichtete, reagierte das Premierenpublikum mit frenetischem Applaus – ein Zeichen für die ungebrochene emotionale Bindung der Fangemeinde, die jegliche Kritik ignoriert. Die arabischen Medien, etwa CNN Arabic und An-Nahar, betonen die symbolische Rückkehr nach Gary, Indiana, wo die Familie Jackson den Film als Triumph feierte. Bürgermeister Eddie D.
Milton stellte klar, dass die Vorwürfe in der Stadt keine Rolle spielten. Der indische Schauspieler Anupam Kher veröffentlichte derweil eine emotionale Erinnerung an ein Treffen mit Jackson und beklagte, dass Menschen „Gift“ statt „Reinheit“ wählten – eine Anspielung auf die anhaltende Debatte. Bemerkenswert ist die Ankündigung des Lionsgate-Filmchefs Adam Fogelson, ein Sequel sei denkbar, das die Missbrauchsvorwürfe behandeln könnte.
Dies wirkt wie ein taktisches Zugeständnis an die Kritiker, doch es bleibt ungewiss, ob ein zweiter Teil die Widersprüche auflösen kann oder nur neue Kontroversen schürt. Das Dilemma des Biopics liegt in der Unvereinbarkeit von künstlerischer Verehrung und moralischer Bilanz – ein Spannungsfeld, das sich nicht allein durch Nachdrehs oder Sequels beseitigen lässt.
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