
Indiens Gepardenprojekt erlebt herben Rückschlag – weltweit wechseln sich Tragödien und Hoffnung ab
Vier Gepardenjunge in Indien von Leoparden gerissen, während in Afrika und Amerika bedrohte Tierarten durch menschliche Fürsorge überleben.
Der Tod der vier im April im Kuno-Nationalpark geborenen Gepardenjungen hat die indischen Artenschutzbemühungen schwer getroffen. Die halb aufgefressenen Kadaver der ersten wildgeborenen Jungtiere seit der Wiederansiedlung des Großkatzenprojekts im September 2022 wurden am Dienstagmorgen nahe ihres Baus entdeckt. Aus indischer Sicht handelt es sich um einen herben Rückschlag für ein Programm, das die vom Aussterben bedrohten Geparden nach über sieben Jahrzehnten wieder in der freien Natur etablieren sollte. Die Mutter, das Weibchen KGP12, blieb unverletzt; die zuständigen Behörden vermuten einen Leoparden als Täter. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Konflikte, die bei der Ansiedlung von Spitzenprädatoren in bereits besetzten Ökosystemen unvermeidlich scheinen.
Während in Indien ein ehrgeiziges Vorhaben Rückschläge hinnehmen muss, zeigt ein ganz anders gelagerter Ansatz im Kongo beständige Erfolge. Im weltweit einzigen Schutzgebiet für verwaiste Bonobos, der Auffangstation Lola ya Bonobo am Stadtrand von Kinshasa, kümmern sich Pflegemütter wie Micheline Nzonzi seit Jahrzehnten um die von Wilderern geretteten Menschenaffen. Die jüngsten Schützlinge werden mit der Flasche gefüttert, erhalten viel Zuwendung und spielen mit Artgenossen, bevor sie nach etwa drei Jahren ausgewildert werden. „Ohne uns könnten diese Bonobos nicht überleben“, sagt Nzonzi, die den Tieren seit 24 Jahren ihre Fürsorge schenkt. Aus kongolesischer Perspektive ist die Einrichtung ein Leuchtturm der Hoffnung – ein Beleg dafür, dass engagierte menschliche Nähe selbst traumatisierte Wildtiere zurück ins Leben führen kann.
Auch in den Vereinigten Staaten steht eine Rettungsgeschichte im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die beiden Bärenjungen, deren Mutter „Blondie“ im März von kalifornischen Wildhütern eingeschläfert worden war, haben einen entscheidenden Schritt in Richtung Eigenständigkeit geschafft. Die vier Monate alten Brüder, die anfangs nur 5,8 und 7,6 Pfund wogen und viermal täglich mit dem Löffel gefüttert werden mussten, leben nun in einem Außengehege des San Diego Humane Society und suchen sich ihr Futter selbst. Aus amerikanischer Sicht ist die größte Herausforderung, den Kontakt zu Menschen so gering wie möglich zu halten, damit die Tiere ihre natürlichen Instinkte nicht verlieren. Der Fall zeigt, wie aufwendig und zugleich lohnend die Rückführung verwaister Wildtiere in ihren natürlichen Lebensraum sein kann.
Einen bemerkenswerten Kontrast zu diesen von Menschen gesteuerten Schutzbemühungen bietet eine natürliche Invasion im Nordosten Indiens. Im Bundesstaat Meghalaya sind erstmals seit vier Jahren wieder Millionen von Zikaden der Art Chremistica ribhoi aus dem Boden gekrochen. Die seltenen Insekten verbringen den Großteil ihres Lebens unter der Erde und erscheinen nur im Vierjahreszyklus, der in Indien scherzhaft als „Weltmeisterschaftskäfer“ bekannt ist. In den Dörfern des Distrikts Ri-Bhoi wird das Massenauftreten mit Festen und nächtlichen Jagdausflügen gefeiert, bei denen die Zikaden gesammelt, gegessen oder auf Märkten verkauft werden. Die Begeisterung der Bewohner erinnert daran, dass Biodiversität nicht nur Schutzobjekt, sondern auch kultureller Lebensraum ist.
Die jüngsten Ereignisse führen vor Augen, wie unterschiedlich die Beziehungen zwischen Mensch und Tier in verschiedenen Regionen der Welt gestaltet sind. Während das indische Gepardenprojekt vor der Aufgabe steht, die Koexistenz konkurrierender Raubtiere zu managen, setzen die kongolesischen Pflegestationen und die kalifornischen Auffangzentren auf intensive menschliche Betreuung. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich über internationale Organisationen an Artenschutzprojekten beteiligen, unterstreichen die Vorfälle die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Strategie: Die Wiederansiedlung von Tieren muss von Anfang an die Dynamik bestehender Ökosysteme berücksichtigen, und die Aufzucht verwaister Jungtiere erfordert einen langen Atem. Die Zikaden in Meghalaya hingegen zeigen, dass die Natur dort, wo sie ungestört ihren eigenen Rhythmen folgen kann, immer wieder zu überraschen vermag.
| Indische & südasiatische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.80 | critical |
| Russische & GUS-Presse | +0.10 | neutral |
Indiens Geparden-Wiederansiedlung hat einen schmerzhaften, aber nicht unerwarteten Rückschlag erlitten. Naturschutzexperten betonen, dass solche Rückschläge Teil jedes ehrgeizigen Rewilding-Projekts sind und die langfristige Vision intakt bleibt. Das globale Bild mit seinem Wechsel von Tragödien und Hoffnung unterstreicht nur die Notwendigkeit von Geduld und anpassungsfähigem Management.
Indiens Gepardentraum wird zum Albtraum für den Artenschutz. Die jüngsten Todesfälle entlarven die Hybris, Großkatzen in eine unvorbereitete Landschaft zu verpflanzen, und werfen dringende Fragen zu Tierschutz und wissenschaftlicher Sorgfalt auf. Während Behörden auf gemischte globale Ergebnisse verweisen, sehen Kritiker ein Muster vermeidbarer Tragödien, angetrieben von politischer Eitelkeit.
Indiens Gepardenprojekt ist auf Schwierigkeiten gestoßen, was angesichts der Komplexität solcher Vorhaben kaum überrascht. Beobachter merken an, dass ähnliche Wiederansiedlungsbemühungen weltweit sowohl Erfolge als auch Misserfolge hervorgebracht haben und man keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte. Die Situation erinnert daran, dass die Natur selten politischen Zeitplänen folgt.
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