
Iran weist französische Vorwürfe der Misshandlung von Diplomaten zurück
Paris spricht von stundenlanger Festsetzung und körperlicher Gewalt gegen zwei Botschaftsmitarbeiter, Teheran von einer kurzen Befragung nach einem Treffen mit Sicherheitsverdächtigen – Frankreich kündigt Konsequenzen an.
Am 19. Juli wurden zwei Mitarbeiter der französischen Botschaft in Teheran von iranischen Sicherheitskräften festgehalten. Während Frankreich von einer mehrstündigen Ingewahrsamnahme, Beschlagnahmung von Telefonen und körperlicher Einschüchterung spricht, bestreitet die iranische Seite jede Misshandlung und verweist auf eine routinemäßige Befragung.
Aus Pariser Sicht stellt der Vorfall einen schweren Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten dar. Der Sprecher des französischen Außenministeriums, Pascal Confavreux, erklärte, die Diplomaten seien in professionellem Auftrag zu einem Treffen mit einem Lieferanten der Botschaft unterwegs gewesen. Trotz Bekanntgabe ihrer Identität seien sie vier Stunden lang festgehalten worden; einem von ihnen, dem Kulturattaché, sei körperliche Gewalt angetan worden. Das Ministerium bestellte daraufhin den iranischen Geschäftsträger ein. Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte an, der Vorfall werde nicht ohne Folgen bleiben; eine Reaktion könne am Donnerstag bekanntgegeben werden.
Die iranische Führung weist die Vorwürfe als „falsch und unbegründet“ zurück. Mohammad Tanhaei, Leiter der zuständigen Abteilung im iranischen Außenministerium, erklärte laut Staatsmedien, die beiden Franzosen hätten am Abend des 19. Juli an einem Treffen mit mehreren aus Sicherheitsgründen verfolgten Personen teilgenommen. Dabei seien zahlreiche Dokumente mit Hinweisen auf „anti-sicherheitsdienstliche Aktivitäten“ sichergestellt worden. Die Sicherheitskräfte hätten die Männer kurz befragt und sie, sobald ihre Zugehörigkeit zur Botschaft erkannt worden sei, an die Diplomatische Polizei übergeben. Nach Abstimmung mit dem Außenministerium und einem Telefonat mit dem französischen Botschafter seien sie der Vertretung überstellt worden. Tanhaei betonte, das Verhalten der Botschaftsmitarbeiter habe gegen die Gesetze des Gastlandes und die Wiener Konvention von 1961 verstoßen. Die französische Darstellung, die Diplomaten hätten die Zivilgesellschaft unterstützt, wertete er als Beleg für ein interventionistisches Vorgehen.
Der Streit reiht sich in eine Serie von Spannungen ein. Frankreichs Außenministerium spricht von einem Muster der Einschüchterung in den vergangenen Monaten, während Paris seine Kontakte zur iranischen Zivilgesellschaft nach der Niederschlagung von Protesten zu Jahresbeginn verstärkt habe. Irans Außenminister Abbas Araqchi bezeichnete das Vorgehen der Diplomaten in einem Telefonat mit Barrot als „unkonventionell und unprofessionell“ und forderte Paris auf, eine Wiederholung zu verhindern. Die iranische Seite sieht in der französischen Unterstützung für die Zivilgesellschaft eine unzulässige Einmischung. Die Ankündigung französischer Gegenmaßnahmen lässt eine weitere Eskalation erwarten; die genaue Reaktion soll am 23. Juli mitgeteilt werden.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.50 | critical |
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