
Israel weitet Angriffe im Südlibanon aus – Beirut sucht eigenständigen Dialog mit Washington
Während die israelische Armee mit Evakuierungsaufrufen für 20 Ortschaften und Artilleriefeuer gegen mutmaßliche Hisbollah-Stellungen vorgeht, drängt Ministerpräsident Salam die Miliz zur Abkehr von Teherans Agenda.
Die israelischen Streitkräfte haben ihre Militäroperationen im Südlibanon am Samstag deutlich ausgeweitet. Nach Armeeangaben reagierte man damit auf Verstöße der Hisbollah gegen die bestehende Waffenruhe. Über den Tag verteilt ergingen dringende Evakuierungsaufforderungen an die Bewohner von mehr als zwanzig Ortschaften und Weilern in den Bezirken Nabatäa, Jezzine und Iqlim al-Tuffah – darunter Deir al-Zahrani, Kfar Rouman, Sajd und Harouf. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich unverzüglich nördlich des Flusses Zahrani in Sicherheit zu bringen. Begleitet wurden die Warnungen von Artillerieangriffen auf Ziele bei Srifa, Qlaileh und Khirbet Selm sowie von Drohnenbeschuss, der in der Ortschaft Ma'rakah mindestens ein Todesopfer forderte. In Bint Jbeil sprengten israelische Einheiten in den frühen Morgenstunden Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Die libanesische Armee zog sich vorsorglich aus ihrer Kaserne in Kfar Tebnit zurück, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden.
Aus israelischer Sicht handelt es sich um eine notwendige Reaktion auf anhaltende Provokationen der Hisbollah, die den mühsam vermittelten Waffenstillstand untergrüben. Militärsprecher Avichay Adraee begründete die Evakuierungsbefehle mit dem Schutz der Zivilbevölkerung vor bevorstehenden intensiven Schlägen gegen die Infrastruktur der Miliz. In Beirut hingegen wächst der politische Druck auf die Hisbollah, sich von den strategischen Vorgaben Teherans zu lösen. Ministerpräsident Nawaf Salam forderte die Organisation in einem Interview mit Reuters ungewöhnlich deutlich auf, die Interessen des Libanon über jene der Islamischen Republik zu stellen und die direkten Verhandlungen seiner Regierung mit Israel zu unterstützen. „Wir bitten euch, eure Verpflichtungen einzuhalten – mehr verlangen wir nicht“, zitierte ihn die Zeitung An-Nahar. Salam betonte, nicht Israel, sondern die Hisbollah müsse davon überzeugt werden, das Schicksal des Landes nicht länger mit dem Irans zu verknüpfen.
In Teheran stößt dieser eigenständige Kurs Beiruts auf erheblichen Widerstand. Iranische Offizielle betrachten die von Washington vermittelten Gespräche, die am 22. Juni fortgesetzt werden sollen, als Versuch, der Islamischen Republik ein zentrales Druckmittel im Konflikt mit den USA zu entziehen. Ein mit den Verhandlungen vertrauter libanesischer Gewährsmann sagte Reuters, Teheran sei „verärgert“ über Beiruts Entscheidung, unabhängig zu verhandeln. Parallel dazu meldete CNN unter Berufung auf informierte Kreise, Iran habe den Schutz seiner angereicherten Uranvorräte durch die Zerstörung von Tunneln und die Verminung von Zugängen verstärkt – ein Schritt, der künftige Inspektionen oder eine mögliche Übergabe von Nuklearmaterial erheblich erschweren dürfte.
Aus Washingtoner Perspektive fügen sich diese Entwicklungen in ein größeres Bild regionaler Neuordnung. Die amerikanische Vermittlerrolle zielt darauf ab, eine dauerhafte Waffenruhe und einen vollständigen israelischen Truppenabzug unter Aufsicht der libanesischen Armee zu erreichen. Doch die Eskalation vor Ort und die widerstreitenden Loyalitäten in Beirut machen deutlich, wie fragil die gegenwärtige Dynamik bleibt. Sollte es Salam gelingen, die Hisbollah auf eine gemeinsame Linie mit der Regierung zu verpflichten, könnte der Libanon erstmals seit Jahren eine eigenständige Sicherheitsarchitektur entwickeln. Andernfalls droht eine weitere Verschärfung der Kämpfe, die auch die humanitäre Lage Hunderttausender Binnenvertriebener zusätzlich belasten würde.
| Iranische & verwandte Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.10 | neutral |
Das zionistische Regime hat unter dem falschen Vorwand eines Waffenstillstandsbruchs durch die Hisbollah Drohungen und Evakuierungsbefehle für über 20 Orte im Südlibanon ausgesprochen und massive Angriffe gestartet, die Zivilisten gefährden. Diese Aggression ist Teil eines fortgesetzten Musters von Besatzung und Brutalität gegen das libanesische Volk, während der Iran darauf besteht, jegliche Verhandlungen an ein Kriegsende zu knüpfen.
Trotz der Versuche Irans, diplomatische Gespräche mit der Libanon-Front zu verknüpfen, weitet Israel seine Militäroperationen gegen die Hisbollah, eine designierte Terrororganisation, aus, um die Einhaltung des Waffenstillstands durchzusetzen. Die libanesische Regierung selbst distanziert sich von der Hisbollah; der Premierminister fordert die Gruppe auf, die Interessen des Libanon über die des Irans zu stellen und die Verhandlungen für einen israelischen Rückzug zu unterstützen.
Die israelische Armee gab eine dringende Evakuierungswarnung für mehrere Ortschaften im Südlibanon heraus und begründete dies mit einem Verstoß der Hisbollah gegen den Waffenstillstand; bei den Angriffen wurden ein Bürgermeister und weitere Zivilisten getötet. Unterdessen forderte der libanesische Premierminister Nawaf Salam die Hisbollah öffentlich auf, ihre Verpflichtungen einzuhalten, das nationale Interesse Libanons über das des Irans zu stellen und sich den diplomatischen Bemühungen der Regierung für einen israelischen Rückzug anzuschließen.
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