
Psychologen erklären Prokrastination als Vermeidungsverhalten und betonen Trainierbarkeit von Geduld
Mehrere aktuelle Berichte aus psychologischer Fachperspektive beschreiben Prokrastination als kurzfristig wirksame, aber langfristig schädliche Strategie der Impulsregulation.
Laut einer im spanischen Medium La Nación zitierten Studie wird Prokrastination als freiwilliges Aufschieben von Aufgaben trotz negativer Konsequenzen definiert. Der klinische Psychologe Sebastián Ibarzábal erläutert, dass das Gehirn bei Unbehagen nach sofortiger Stimulation suche und so eine kurzfristig wirksame Ablenkung erzeuge, die sich wiederhole. Die Psychologin Victoria Almiroty ergänzt, dass dieses Verhalten zwar sofortige Erleichterung bringe, aber später Schuldgefühle, Angst und vermindertes Selbstwertgefühl verstärke und einen schwer zu durchbrechenden Negativkreislauf bilde.
Die Neuropsychologin Florencia Chiofalo, die im argentinischen Sender Radio Aconcagua sprach, weist darauf hin, dass schwere Prokrastination bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) den Alltag und die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen könne. Sie betont jedoch, dass viele Betroffene Kompensationsstrategien entwickelten und ihre Ziele dennoch erreichten. Chiofalo zufolge wird ADHS bei Erwachsenen häufig übersehen, weil die Hyperaktivität sich eher als inneres „Rauschen“ denn als motorische Unruhe äußere.
Ein weiterer Bericht des argentinischen Portals El Cronista analysiert das alltägliche Phänomen, Kleidung auf einem Stuhl im Schlafzimmer abzulegen. Spezialisten des Centro de Cognitivismo Clínico und des Instituto Nacional sobre el Envejecimiento führen dies auf Prokrastination und geistige Erschöpfung zurück. Ein übermäßig unordentliches Umfeld könne Stress verstärken und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Die Autoren räumen jedoch ein, dass es auch schlicht praktische Gründe geben könne.
Ein alter asiatischer Spruch, zitiert von Radio Mitre, lautet: „Um die Geduld zu stärken, gibt es keine bessere Übung, als zu lernen, zu warten, ohne die Gelassenheit zu verlieren.“ Psychologen empfehlen demnach Atemübungen, Achtsamkeit und das bewusste Hinauszögern von Entscheidungen, um die Geduld als emotionale Fähigkeit zu trainieren. Aus islamischer Perspektive betont der indonesische Sender Tribunnews die Bedeutung von Geduld und Dankbarkeit im Alltag und verweist auf entsprechende Koranverse und Gebete.
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