
Libanon: Ungewissheit über Examina und politische Verhandlungen
Ein Streik von Studenten und eine blockierte Bildungskommission prägen die Lage – derweil bemüht sich die Politik um Annäherung zwischen Staatspräsident und Parlamentssprecher.
Beirut. Die Zukunft Tausender libanesischer Schüler bleibt ungewiss: Seit Tagen tagt die Bildungskommission unter Leitung von Ministerin Rima Karami, ohne dass eine Entscheidung über die Durchführung der staatlichen Abschlussprüfungen gefallen wäre. Während in sozialen Medien bereits über eine angebliche Absage spekuliert wird, dementiert das Büro des Staatsrats (Conseil d’État) jegliche Bestätigung – ein endgültiger Beschluss steht aus. Das Informationschaos verschärft die ohnehin angespannte Lage im krisengeplagten Libanon, wo das Schuljahr durch Streiks und politische Blockaden immer wieder unterbrochen wurde.
Vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt versammelten sich unterdessen protestierende Studenten. Sie fordern Klarheit und werfen den Behörden vor, mit der Bildung der jungen Generation zu spielen. Besonders betroffen sind Studierende aus dem Südlibanon und der Küstenstadt Sidon: Die Libanesische Universität kündigte in einer Stellungnahme spezielle Unterstützungsmaßnahmen für diese Gruppe an – eine Reaktion auf die prekäre Sicherheitslage entlang der Grenze zu Israel, die den regulären Unterricht unmöglich macht.
Parallel zu den bildungspolitischen Turbulenzen gab es ein Zeichen politischer Annäherung: General André Rahhal, Berater von Staatspräsident Joseph Aoun, traf sich mit Ali Hassan Khalil, dem politischen Vertrauten von Parlamentssprecher Nabih Berri. Ziel des Gesprächs sei es gewesen, die Beziehungen zwischen den beiden höchsten Staatsämtern zu verbessern. Aus Beiruter Diplomatenkreisen verlautet, dass eine Kooperation zwischen Aoun und Berri als entscheidend gilt, um die Handlungsfähigkeit der Regierung inmitten der multiplen Krisen – von der Wirtschaftsdepression bis zum Sicherheitsdefizit im Süden – wiederherzustellen.
Aus europäischer Perspektive, namentlich für Deutschland, das im Rahmen des Schulaustauschs und der Entwicklungszusammenarbeit eng mit libanesischen Bildungseinrichtungen kooperiert, sind die Entwicklungen alarmierend. Eine weitere Destabilisierung würde nicht nur den Exodus junger Talente beschleunigen, sondern auch die ohnehin schwierige Integration libanesischer Geflüchteter in der EU erschweren. Beobachter in Berlin warnen, dass das Versagen des Staates vor den Prüfungen ein Symbol für die Erosion öffentlicher Institutionen sei – mit möglichen Ausstrahlungseffekten auf die Region.
Bis zu einer offiziellen Entscheidung bleibt den Schülern und Studenten nur das Abwarten. Die Bildungskommission setzt ihre Beratungen fort; Ergebnisse werden frühestens in den kommenden Tagen erwartet. Für viele junge Libanesen ist die Ungewissheit ein weiteres Kapitel im langen Stillstand, der das Land lähmt.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
2 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
8 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologySpaceX-Raketenstufe schlägt am Mittwoch auf dem Mond ein – wissenschaftliche Beobachtung geplant
7 Sprachen · 16 Quellen