
Lula und Sheinbaum beharren auf Souveränität: Lateinamerika stellt Bedingungen für Partnerschaft mit Trump
Brasilien und Mexiko signalisieren Kooperationsbereitschaft mit den USA, bestehen aber auf nationaler Autonomie – insbesondere bei Sicherheit und Rohstoffen.
Die lateinamerikanischen Großmächte Brasilien und Mexiko haben nach bilateralen Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer engeren Zusammenarbeit bekundet, zugleich aber unmissverständlich rote Linien gezogen. Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva erklärte am Samstag, man werde die Partnerschaft mit Washington ausbauen – jedoch „ohne unsere Souveränität aufzugeben“. Das Treffen mit Trump am Donnerstag im Weißen Haus, an dem auch ranghohe Vertreter beider Regierungen teilnahmen, drehte sich nach Darstellung Lulas um Handelsbeziehungen, Zollfragen, die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und vor allem um kritische Mineralien.
Aus Washingtoner Sicht steht das Interesse an brasilianischen Rohstoffvorkommen im Vordergrund: Die USA sind auf seltene Erden und andere strategische Mineralien angewiesen, um ihre technologische und militärische Unabhängigkeit zu sichern. Gleichzeitig hatte Trump Mexiko scharf attackiert und erklärt, die „Kartelle regieren Mexiko“ – eine Äußerung, die Präsidentin Claudia Sheinbaum in Navojoa, Sonora, umgehend zurückwies. Mexiko müsse eine gute Beziehung zu den USA pflegen, doch die nationale Souveränität sei „nicht verhandelbar“, stellte sie klar.
Beobachter in Brasília heben hervor, dass Lula sein Gegenüber nicht nur mit wirtschaftlichen Angeboten ködern, sondern auch eigenen sicherheitspolitischen Initiativen vorstellen konnte. Der Brasilianer bot den Vereinigten Staaten den Beitritt zu regionalen Projekten wie der „Polícia da Amazônia“ und dem „Consenso de Brasília“ an – ein Signal, dass man nicht nur Waren, sondern auch Konzepte zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität teilen will. In Mexiko-Stadt wird betont, dass Sheinbaums Festhalten an der Souveränität in direktem Zusammenhang mit Trumps verbalen Vorstößen steht. Die Regierung will verhindern, dass Washington unilateral im Norden Mexikos interveniert.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gewinnt diese Entwicklung an Bedeutung: Die Europäische Union verhandelt mit dem Mercosur über ein Assoziierungsabkommen, und Brasiliens Haltung zu kritischen Rohstoffen wird die künftige Rohstoffversorgung Europas mitbestimmen. Sollte sich das Gesprächsklima zwischen Washington und Brasília verschlechtern, könnte Lula seine Exportpolitik stärker nach Asien ausrichten – ein Risiko für die deutsche Industrie. Zugleich zeigt Mexikos klare Position, dass die neue US-Administration nicht mit bedingungsloser Gefolgschaft rechnen darf.
Die nächsten Wochen werden erweisen, ob die Gespräche zwischen Lula und Trump in konkrete Abkommen münden oder ob der Souveränitätsvorbehalt beider Seiten zu einem Stillstand führt. Sheinbaums Ton deutet an, dass Mexiko sich nicht unter Druck setzen lässt, während Lula einen pragmatischen Kurs fährt – bei aller rhetorischen Standhaftigkeit. Für Berlin und Wien bedeutet dies: Die transatlantische Flanke wird komplexer, und wer in Lateinamerika Geschäfte machen will, muss sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen Empfindlichkeiten ernst nehmen.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
2 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsMexikos Wirtschaft wächst im zweiten Quartal so stark wie seit über fünf Jahren nicht mehr
1 Sprache · 18 Quellen
Aus TechnologyChery Q erhält auf der GIIAS 2026 über 6.000 Vorbestellungen
1 Sprache · 15 Quellen