
Lula und Trump: Ein strategisches Ringen um Handel, Sicherheit und Einflusssphären
Nach dreistündigem Arbeitsgespräch im Weißen Haus zeigen sich beide Seiten kompromissbereit – doch die Differenzen in Handels- und Sicherheitsfragen bleiben tief.
Das mit Spannung erwartete Arbeitsgespräch zwischen dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und US-Präsident Donald Trump dauerte am Donnerstag fast drei Stunden – deutlich länger als die ursprünglich angesetzten 45 Minuten. Dass die für den Nachmittag geplante gemeinsame Pressekonferenz auf Wunsch der brasilianischen Delegation kurzfristig abgesagt wurde, werteten Beobachter in Washington als taktisches Manöver: Lula wollte sich nicht dem Risiko öffentlicher Dissonanzen aussetzen, die Trumps unberechenbare Art mit sich bringen kann. Stattdessen wird der Brasilianer am Abend in der Botschaft eine eigene Erklärung abgeben.
Aus brasilianischer Sicht stand die wirtschaftliche Agenda im Vordergrund. Lula, der sich inmitten des Wahlkampfs für eine dritte Amtszeit befindet, hofft auf eine Entspannung im Handelskonflikt, den Trump durch pauschale Zölle auf Stahl, Aluminium und weitere Exportgüter Brasiliens angeheizt hat. Besonders heikel ist die von Washington eingeleitete Untersuchung des brasilianischen Bezahlsystems PIX, das aus Sicht des US-Handelsbeauftragten US-Kreditkartenkonzerne benachteiligt.
Brasília signalisierte Gesprächsbereitschaft, um eine Eskalation zu vermeiden. Zugleich sucht Lula nach einem Ausweg aus der von Trump verlangten, aber von Brasilien abgelehnten Einstufung krimineller Organisationen als terroristische Gruppen. Stattdessen schlägt Brasília eine gemeinsame sicherheitspolitische Zusammenarbeit vor, die auf Rechtshilfe und Informationsaustausch setzt.
Aus der Perspektive der chinesischen Regierung, die im Hintergrund stets präsent war, geht es bei den Gesprächen um nicht weniger als die Neuordnung von Lieferketten für kritische Mineralien und Seltene Erden. Washington drängt auf ein bilaterales Abkommen, das Brasiliens Rohstoffreserven für die US-amerikanische Rüstungs- und Tech-Industrie sichert. Peking wiederum beobachtet jede Annäherung mit Argwohn, da Brasilien als wichtiger Lieferant für die chinesische Industrie gilt.
Am Ende des Treffens lobte Trump den „dynamischen Präsidenten“ und kündigte weitere Gespräche auf Ministerebene an. Ob die Annäherung Bestand hat, wird sich jedoch erst in den kommenden Monaten zeigen. Lulas Rechnung, mit der Visite zugleich die Annäherung des oppositionellen Lagers um Flávio Bolsonaro an den Weißen Haus zu durchkreuzen, könnte aufgehen – vorausgesetzt, Trump hält sich aus dem brasilianischen Wahlkampf heraus.
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