
Lutnick unter Druck: Epstein-Aussage spaltet US-Kongress – Demokraten fordern Rücktritt
US-Handelsminister Howard Lutnick gab in einer vertraulichen Anhörung zu, den verurteilten Sexualstraftäter Epstein noch 2012 besucht zu haben. Die Opposition wirft ihm Lügen vor.
Die erste Kabinettsmitglied der Trump-Administration, das sich den Fragen des Aufsichtsausschusses des Repräsentantenhauses zum Missbrauchsnetzwerk des verstorbenen Jeffrey Epstein stellte, ist ausgerechnet der Handelsminister. Howard Lutnick räumte in einer geschlossenen Befragung ein, 2012 mit seiner Frau und seinen Kindern die Privatinsel des Sexualstraftäters in der Karibik besucht zu haben – Jahre nach Epsteins erster Verurteilung wegen der Anbahnung von Minderjährigen zur Prostitution. Diese Enthüllung widerspricht früheren Aussagen Lutnicks, der in einem Podcast behauptet hatte, den Kontakt zu Epstein bereits 2005 abgebrochen zu haben.
Aus Washingtoner Sicht ist der Fall politisch hochbrisant. Die Demokraten im Ausschuss warfen Lutnick vor, die Öffentlichkeit systematisch belogen zu haben. Die Abgeordnete Yassamin Ansari bezeichnete ihn als „pathologischen Lügner“ und sprach von der „eklatantesten Vertuschung in der amerikanischen Geschichte“. Die republikanische Vorsitzende James Comer hingegen lobte Lutnicks Kooperationsbereitschaft, warnte jedoch unmissverständlich, dass Falschaussagen vor dem Kongress als Straftat gewertet werden könnten. Dieses parteipolitisch aufgeladene Klima erschwert eine sachliche Aufarbeitung der Frage, ob einflussreiche Persönlichkeiten wie Lutnick Epstein nach dessen Verurteilung geschützt haben.
Für Beobachter in Berlin, Wien und Bern ist der Vorgang mehr als ein innenpolitischer Skandal der USA. Lutnick trägt als Handelsminister Verantwortung für Zollpolitik und Wirtschaftsabkommen, die direkte Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen haben. Sollte der Druck auf ihn weiter steigen und sein Amt gefährden, könnte dies Verhandlungen über Strafzölle oder Handelserleichterungen belasten. Zugleich wirft der Fall erneut ein Schlaglicht auf die Durchlässigkeit von Justiz und Elitennetzwerken – ein Thema, das in Europa mit wachsender Besorgnis verfolgt wird.
Lutnick selbst bestritt jegliches Fehlverhalten und betonte, er habe bei dem Familienausflug keine kriminellen Aktivitäten beobachtet. Doch das Detail, dass Epsteins Assistentin von seiner Anwesenheit auf den Jungferninseln wusste, bezeichnete der Minister als beunruhigend. Die Demokraten sehen darin einen weiteren Beleg für ein abgestimmtes Vertuschungssystem. Die Untersuchung des Ausschusses, der auch die Rolle der Strafverfolgungsbehörden hinterfragt, steckt noch in einer frühen Phase. Ob die republikanische Führung ihre schützende Haltung gegenüber Lutnick aufrechterhalten kann, wird davon abhängen, ob weitere Dokumente aus den Akten des Justizministeriums an die Öffentlichkeit gelangen. Für die europäischen Partner ist der Ausgang dieser Anhörung ein Gradmesser für die Widerstandsfähigkeit amerikanischer Institutionen in Zeiten tiefer politischer Spaltung.
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