
Mali nach koordinierter Offensive: Goïta übernimmt Verteidigung, Russlands Position wackelt
Jihadisten und Tuareg-Rebellen erobern Kidal, töten Verteidigungsminister Camara. Die Militärjunta konzentriert Macht, während die UN vor Exekutionen warnt.
Am frühen Morgen des 25. April 2026 erschütterten Explosionen und Schusswechsel mehrere Städte Malis – von Kidal im Norden bis zur Hauptstadt Bamako. Eine ungewöhnliche Allianz aus dem mit al-Qaida verbündeten Jihadistennetzwerk JNIM und der tuaregdominierten Azawad-Rebellion FLA hatte innerhalb weniger Stunden weite Landesteile unter ihre Kontrolle gebracht.
Der bis dahin als Rückgrat der Militärjunta geltende Verteidigungsminister Sadio Camara fiel bei einem Angriff in Kati, dem Machtzentrum nahe Bamako. Staatschef Assimi Goïta reagierte umgehend, indem er sich selbst zum Verteidigungsminister ernannte und damit seine ohnehin weitreichende Macht weiter zementierte. Aus Moskauer Sicht stellt die Offensive eine schwere Demütigung dar.
Die russischen Africa Corps, Nachfolger der Söldnertruppe Wagner, hatten im Norden Stellungen bezogen, mussten sich in Kidal aber in ihrer Basis verschanzen. Das Bündnis mit der malischen Armee, das Russland als Erfolgsmodell in der Sahelzone präsentierte, zeigt tiefe Risse. Beobachter in Washington verfolgen die Entwicklung mit wachsender Sorge.
Die UNO äußerte sich bereits „ernsthaft beunruhigt“ über Berichte von standrechtlichen Hinrichtungen durch Regierungstruppen und warnt vor einer weiteren Eskalation der Gewalt, die die instabile Region vollends zu zerstören droht. Für europäische Hauptstädte, insbesondere Berlin, Wien und Bern, verschlechtert sich die ohnehin prekäre Sicherheitslage im Sahel weiter. Eine mögliche neue Fluchtbewegung nach Nordafrika und Europa rückt in den Fokus, da die Jihadistenkoalition nun wichtige Versorgungsrouten kontrolliert.
Die bisherigen Stabilitätsbemühungen, die unter anderem auf bilaterale Polizeimissionen und Entwicklungshilfe setzten, scheinen vorerst gescheitert. In Bamako versucht Goïta derweil, das Blatt zu wenden: Er verhängte den Ausnahmezustand und rief zur nationalen Einheit auf. Doch die Offensive hat gezeigt, dass die Junta weder militärisch noch politisch in der Lage ist, das Land zu befrieden.
Die Zukunft Malis hängt nun davon ab, ob Russland seine schwindende Präsenz verstärken kann – oder ob eine neue Front des Chaos entsteht, die weit über die Sahelzone hinausreicht.
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