
Marokkos Wirtschaft unter Druck: Dürre, steigende Preise und Korruption vor dem Opferfest
Wenige Tage vor dem islamischen Opferfest zeichnet sich in Marokko eine prekäre Lage auf dem Viehmarkt ab. Nachdem die traditionelle Schlachtung im vergangenen Jahr auf königliche Anordnung hin abgesagt worden war, kehrt die Unsicherheit zurück. Aus Sicht von Züchtern und Händlern hat sich die Situation nicht entspannt: Die Preise für einen Opferwidder bewegen sich zwischen 3500 und 4000 Dirham, was für weite Teile der Bevölkerung eine kaum tragbare Belastung darstellt.
Belhassen Ksab, der Vorsitzende der regionalen Viehzüchterföderation in Benslimane, spricht von einer spürbaren Kaufzurückhaltung, die den Markt in eine gefährliche Stagnation treibe. Die Ursachen liegen in einer mehrjährigen Dürreperiode, die den nationalen Viehbestand drastisch reduziert hat, sowie in explodierenden Futterkosten, die viele Kleinbauern an den Rand der Existenz bringen. Hinzu kamen zuletzt verheerende Überschwemmungen im Norden und Westen des Landes, die die ohnehin fragile Versorgungskette weiter belasteten.
Aus Rabater Perspektive versucht die Regierung gegenzusteuern: Ein Subventionsprogramm von 300 bis 400 Dirham pro Tier wurde angekündigt, doch wie der Vorsitzende des nationalen Schaf- und Ziegenzüchterverbandes, Abdurrahman El Majdoubi, kritisiert, lässt die Auszahlung seit Dezember auf sich warten. Dies zögere den Markt unnötig hinaus und verschärfe die Spekulation durch eine Kette von bis zu fünf Zwischenhändlern, die die Preise in die Höhe treiben. Parallel zu den landwirtschaftlichen Verwerfungen offenbart ein zweites Dossier systemische Defizite in der öffentlichen Verwaltung des Königreichs.
Wie aus informierten Kreisen des Innenministeriums zu vernehmen ist, haben Kontrollberichte schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe sogenannter Sommerlizenzen für Strandaktivitäten, Wochenmärkte und Festivals offengelegt. Besonders an der Küstenachse zwischen Rabat und Casablanca sowie in anderen Touristengebieten hätten sich alte Praktiken des Rent-Seeking und des Missbrauchs von Einfluss gehalten – trotz eines neuen Rechtsrahmens aus dem Jahr 2022, der Transparenz und rechtmäßige Nutzung öffentlicher Flächen garantieren sollte. Die Zentralregierung hat nun die Spitzen der Regionalverwaltungen angewiesen, die Bürgermeister zur strikten Einhaltung der Vorschriften anzuhalten.
Beobachter in Casablanca sehen in beiden Krisen eine gemeinsame Wurzel: das Zusammenwirken von klimatischen Extremereignissen, verspäteten oder unzureichenden staatlichen Eingriffen und einer tief verwurzelten Korruptionskultur, die wirtschaftliche Reformen untergräbt. Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob die just eingeleiteten Verwaltungsmaßnahmen greifen und ob das Subventionsversprechen für die Viehwirtschaft noch rechtzeitig umgesetzt wird – nicht nur zur Beruhigung des Opferfestes, sondern als Vertrauensvorschuss für einen Sektor, der das Rückgrat ländlicher Regionen bildet.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
2 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologySpaceX-Raketenstufe schlägt unkontrolliert auf dem Mond ein
6 Sprachen · 29 Quellen