
May-Day-Proteste weltweit: Arbeiter gegen Milliardäre und Kriege
Zehntausende Menschen sind am Internationalen Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten auf die Straße gegangen, um gegen die grassierende Inflation, verschärfte Einwanderungskontrollen und die amerikanische Kriegspolitik im Iran zu protestieren. Unter dem Motto „Arbeiter vor Milliardären“ versammelten sich in Los Angeles Demonstranten im MacArthur Park, um anschließend friedlich zum Rathaus zu ziehen. Aus Washington wird berichtet, dass landesweit mehr als 4000 Kundgebungen stattfanden, bei denen Gewerkschaften, Studierende und Immigrantenorganisationen gemeinsam für eine gerechtere Wirtschaftsordnung eintraten. Die Jugendbewegung Sunrise rief zu einem Schulstreik auf, dem sich über 100.000 Schüler anschließen sollten. Die Forderungen zielen nicht allein auf höhere Löhne, sondern richten sich gegen eine politische Ordnung, die aus Sicht der Protestierenden die Reichen schont und gleichzeitig militärische Interventionen im Nahen Osten finanziert.
In Europa und Asien nahmen die Mai-Kundgebungen ebenfalls eine deutlich politischere Wendung als in den Vorjahren. Von Paris über Istanbul bis nach Madrid und Manila verbanden die Teilnehmer traditionelle Arbeiterforderungen mit scharfer Kritik an der amerikanischen Außenpolitik und an Israel. In mehreren Städten wurden Transparente gegen den Gazakrieg und gegen die zunehmende Militarisierung der Sicherheitspolitik hochgehalten. Beobachter sprechen von einer wachsenden Vermischung sozialer mit geopolitischen Konflikten: Die Teuerung wird nicht mehr nur als wirtschaftliches, sondern als systemisches Problem wahrgenommen, das sich im globalen Machtgefüge widerspiegelt. Der konservative Thinktank Heritage Foundation warnte, diese Entwicklung zeige einen beunruhigenden Trend hin zu einer antiwestlichen und antiisraelischen Stimmung, der die traditionelle Funktion des 1. Mai als reiner Arbeitnehmerdemonstration untergrabe.
Aus deutschsprachiger Perspektive gewinnen diese globalen Verflechtungen an Bedeutung, da auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz die traditionellen Maikundgebungen zunehmend von außenpolitischen Themen überlagert werden. Während hiesige Gewerkschaften noch stärker auf Tarifverhandlungen und den sozialen Ausgleich fokussieren, zeigt der internationale Vergleich, dass der Arbeiterkampf längst nicht mehr losgelöst von Fragen des Krieges, der Migration und der Umwelt betrachtet wird. Die in den USA beobachtete Allianz zwischen Klimaaktivisten, Migrantenverbänden und klassischen Arbeiterorganisationen könnte auch in Europa Schule machen. Vorausschauend lässt sich sagen, dass der 1. Mai sich von einem nationalen Feiertag zu einem globalen Ventil für systemische Unzufriedenheit entwickelt hat – mit offenem Ausgang, aber immer klarerer Stoßrichtung gegen die als ungerecht empfundene Verteilung von Macht und Wohlstand.
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