
Meta testet mit Instants eine Rückkehr zur flüchtigen Authentizität – mit Folgen für den deutschsprachigen Raum
Instagram hat in Italien und Spanien eine neue App namens Instants eingeführt, die das Prinzip der Vergänglichkeit auf die Spitze treibt. Nutzer können damit Fotos versenden, die nach einmaligem Ansehen verschwinden und maximal 24 Stunden verfügbar sind. Bearbeitungen sind nicht möglich, und die Aufnahmen müssen direkt innerhalb der App gemacht werden – ein Upload aus der Galerie ist ausgeschlossen. Der Schritt ist der bislang konsequenteste Versuch des Meta-Konzerns, dem trend der inszenierten Perfektion auf sozialen Plattformen etwas entgegenzusetzen und stattdessen auf spontane, ungeschönte Momente zu setzen.
Aus Washingtoner Sicht ist Instants vor allem als strategische Antwort auf den wachsenden Druck von Konkurrenten wie Snapchat und BeReal zu verstehen. Snapchat hat das Konzept flüchtiger Nachrichten populär gemacht, während BeReal mit seiner täglichen Aufforderung zum ungefilterten Schnappschuss eine Nische erobert hat. Meta versucht nun, beides zu kombinieren und gleichzeitig die eigene Nutzerbasis zu halten, die zunehmend unter der Kuratierung und dem Leistungsdruck auf dem Hauptkanal leidet. Die Entscheidung, Instants zunächst nur in zwei europäischen Ländern zu testen, deutet darauf hin, dass der Konzern noch Unsicherheit über die Akzeptanz des neuen Formats hat.
In arabischen Medien wird die Entwicklung als Rückkehr zu den Wurzeln von Instagram gedeutet. Die Plattform, die einst als Ort für schnelle, ungezwungene Schnappschüsse begann, hatte sich über die Jahre zu einem Schaufenster hochpolierter Ästhetik entwickelt. Instants, so die Lesart aus Beirut, sei der Versuch, diese ursprüngliche Leichtigkeit wiederzubeleben, indem es dem Nutzer keine Wahl lässt: Entweder man zeigt sich so, wie man in diesem Moment ist, oder man verzichtet auf die Teilhabe. Diese Radikalität könnte vor allem jüngere Zielgruppen ansprechen, die einer übermäßigen Selbstoptimierung überdrüssig sind.
In Italien, wo der Testlauf erste Erfahrungen liefert, wird Instants als tiefgreifender Wandel in der Logik sozialer Medien analysiert. Bislang galt auf Instagram: Ein Bild musste perfekt sein, die Geschichte durchdacht. Selbst die Stories, die als lockerer galten, ließen sich nachbearbeiten und mit Filtern versehen. Instants hingegen bricht mit diesem Prinzip radikal. Der Nutzer kann nichts korrigieren, nichts nachträglich verbessern. Das verleiht der Kommunikation eine neue Unmittelbarkeit, die an den Austausch von analogen Polaroidbildern erinnert – allerdings ohne das haptische Erlebnis. Die App könnte damit den nächsten Schritt hin zu einer Form des sozialen Netzwerks einleiten, die weniger auf Archivierung als auf flüchtige Begegnung setzt.
Für den deutschsprachigen Raum, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ergeben sich daraus besondere Implikationen. Während Meta hierzulande mit strengen Datenschutzauflagen und der kritischen Haltung gegenüber US-amerikanischen Plattformen konfrontiert ist, könnte Instants durch sein temporäres Format neue Diskussionen entfachen: Wenn alles nach 24 Stunden oder beim ersten Öffnen verschwindet, entfällt zumindest der Vorwurf der dauerhaften Datensammlung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ein solches Produkt überhaupt den Alltagsgebrauch in einer Region prägen kann, die traditionell eher beständige Kommunikationsformen bevorzugt. Beobachter in Zürich und Berlin sehen in Instants daher weniger eine Revolution als einen weiteren Baustein in Metas Strategie, den Nutzer immer enger an das eigene Ökosystem zu binden. Der Erfolg wird entscheidend davon abhängen, ob es dem Konzern gelingt, das Bedürfnis nach Authentizität tatsächlich zu bedienen – oder ob der Versuch, Echtheit zu verordnen, als weiterer Marketingtrick entlarvt wird.
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