
Millionen in Asien drohen ohne TV-Übertragung der WM 2026 dazustehen
Einen Monat vor Anpfiff der Weltmeisterschaft sind die Rechte für China und Indien noch nicht vergeben – ein Novum für die FIFA.
Die Zeit drängt, doch die Verhandlungen stocken. Einen Monat vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat die FIFA noch immer keine Übertragungsrechte für China und Indien verkauft. Aus Pekinger Sicht ist vor allem der Preis das Hindernis: Der Weltverband verlangt nach Informationen aus Verhandlungskreisen zwischen 250 und 300 Millionen Dollar, die staatliche Fernsehanstalt CCTV, die allein für die Verhandlungen zuständig ist, bietet jedoch nur knapp 80 Millionen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Indien, wo die Gespräche ebenfalls feststecken. In Zürich bemüht man sich um Gelassenheit: Man sei in Kontakt, die Verhandlungen seien vertraulich, heißt es aus dem FIFA-Hauptquartier. Doch die Zeit läuft – ein Scheitern wäre das erste Mal seit vier Jahrzehnten, dass chinesische Zuschauer ohne offizielle Übertragung auskommen müssten.
In Neu-Delhi und Bangkok wächst die Sorge nicht nur wegen des Preises, sondern auch wegen der ungünstigen Anstoßzeiten. Die Partien werden in Ostasien meist tief in der Nacht stattfinden: Die Eröffnung um drei Uhr morgens in Peking, die Finalspiele um die gleiche Zeit. Aus indischer Perspektive beginnt das Turnier um halb eins nachts, ein Zeitfenster, das die ohnehin verhaltene Nachfrage der Sender dämpft.
In früheren Turnieren, bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022, hatte CCTV die Rechte bereits Monate im Voraus gesichert und mit großem Aufwand beworben. Die gegenwärtige Pattsituation ist daher mehr als eine Preisfrage; sie signalisiert ein verändertes Kräfteverhältnis zwischen der FIFA und den asiatischen Medienmärkten. Während in 175 anderen Ländern die Verteilung längst abgeschlossen ist, bleiben zwei der bevölkerungsreichsten Nationen der Welt außen vor.
In Europa ist die Lage entspannter. In Italien, das sich zum dritten Mal in Folge nicht qualifiziert hat, wird die Rai dennoch fünfunddreißig Spiele im Free-TV zeigen, darunter Eröffnung und Finale, während DAZN alle 104 Begegnungen live streamt. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Rechte längst vergeben – die Übertragung ist gesichert, die Sender bereiten sich auf ein Fußballfest vor.
Die FIFA versucht unterdessen, das Turnier mit einer neuen visuellen Identität zu vermarkten. Ein durchgesickertes Video von Fox Sports zeigt ein modernisiertes Scoreboard, das auf die Kampagne „We Are 26“ abgestimmt ist und auf allen Plattformen ein einheitliches Bild bieten soll. Der Blick nach vorn bleibt jedoch von der Asien-Frage überschattet.
Analysten halten einen Last-Minute-Deal für wahrscheinlich, aber nicht für sicher. Sollte keine Einigung zustande kommen, fehlten der FIFA nicht nur dringend benötigte Einnahmen, sondern auch die Reichweite in ihren wichtigsten Wachstumsmärkten. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Weltverband bereit ist, seine Preisvorstellungen zu korrigieren – oder ob China und Indien beim globalen Fußballfest nur zuschauen, aber nicht offiziell dabei sein werden.
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