
Moskau tauscht Spitzenpersonal in Verteidigungs- und Innenministerium aus
Oleg Saweljew verlässt überraschend das Verteidigungsministerium, sein Nachfolger Witali Schulika kommt aus dem Innenressort. Der Wechsel wirft ein Schlaglicht auf die Machtverhältnisse im Militärapparat.
Der bisherige stellvertretende Verteidigungsminister Oleg Saweljew hat sein Amt niedergelegt. An seine Stelle tritt mit sofortiger Wirkung der bisherige Vize-Innenminister, Generaloberst der Polizei Witali Schulika, der zugleich die Leitung des Ministeriumsapparats übernimmt. Wie mehrere Moskauer Medien übereinstimmend berichten, unterzeichnete Präsident Putin die entsprechende Order bereits am 22. Mai. Die Entlassung Saweljews erfolgte der offiziellen Lesart zufolge «aufgrund eines Wechsels in eine andere Tätigkeit», ohne dass das neue Betätigungsfeld genannt wurde. Der 60‑jährige Saweljew galt als einer der engsten Vertrauten von Verteidigungsminister Andrej Beloussow und war seit Mai 2024 für die Digitalisierung der Streitkräfte zuständig, darunter die viel kritisierte Einführung elektronischer Einberufungsbescheide und das Wehrpflichtigenregister.
Aus Moskauer Sicht ist der Austausch eines zivilen Reformmanagers durch einen Polizeigeneral ein bemerkenswerter Richtungswechsel. Schulika, Jahrgang 1970, stammt aus der Militärausbildung – er absolvierte die Krasnodarer Militärhochschule und die Marineakademie – und diente zunächst in der Marine. Seit 2009 durchlief er im Innenministerium Stationen in der Informationssicherheit, der Wirtschaftskriminalitätsbekämpfung und der operativen Informationsgewinnung, zuletzt als stellvertretender Minister. Seine Ernennung an die Spitze des Verteidigungsapparats wird in Beobachterkreisen als Stärkung der internen Kontrolle und der Korruptionsbekämpfung interpretiert, einem der Schwerpunkte, die Beloussow nach seiner Berufung im Mai 2024 setzte. In westlichen Hauptstädten, vor allem in Washington und Berlin, sieht man in der Rochade hingegen ein Indiz für anhaltende Machtkämpfe innerhalb der russischen Führung – zumal mit Saweljew ein weiterer Vertrauter Beloussows das Feld räumen musste.
Tatsächlich war Saweljew mehr als nur der Apparatchik; er war das Bindeglied des Wirtschaftsfachmanns Beloussow zur Militärbürokratie. Zuvor hatte er als Wirtschaftsstaatssekretär unter Beloussow gedient, war Minister für Krimangelegenheiten und später Rechnungsprüfer mit Zuständigkeit für Verteidigung und Sicherheit. Seine Ablösung wirft die Frage auf, wie stabil die Position des Ministers selbst ist. In Kiew registriert man solche Personalbewegungen genau; dort deutet man sie als Zeichen dafür, dass der gescheiterte E‑Einberufungssystem‑Rollout und die anhaltenden Probleme in der Truppenverwaltung personelle Konsequenzen haben. Parallel dazu wurde im Innenministerium der bisherige Moskauer Versorgungschef Alexej Makarow zum stellvertretenden Minister ernannt, was die dortige Kontinuität unterstreicht und gleichzeitig den Schwenk im Militärressort unterstreicht.
Mit dem Wechsel wird das Spannungsfeld zwischen technokratischer Reform und sicherheitsdienstlicher Kontrolle im russischen Verteidigungsapparat neu justiert. Schulika bringt die Erfahrung eines Geheimdienstkoordinators mit, was auf eine straffere Führung und möglicherweise strengere Überwachung der Streitkräfte hindeutet. Für die deutsche und europäische Sicherheitspolitik bleibt entscheidend, wie sich diese interne Neuordnung auf die operative Schlagkraft und die Rekrutierungspraxis der russischen Armee auswirkt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Personalie Teil einer breiter angelegten Kaderrotation ist oder ob sie den Auftakt für eine tiefgreifende Umstrukturierung des Ministeriums bildet.
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
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| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
Der Kreml vollzog eine routinemäßige Personalrotation: Ein Polizeigeneral wechselte ins Verteidigungsministerium, ein Logistikgeneral übernahm seinen Posten im Innenministerium. Die per Präsidialdekret verkündeten Änderungen wurden als reibungsloser Verwaltungsvorgang beschrieben.
Kontinentaleuropäische Medien betonen das Fehlen offizieller Gründe für den Abgang des Vize-Verteidigungsministers und verweisen auf die enge Verbindung des neuen Stellvertreters zu Minister Belousov. Die Umbildung wird als intransparente Umstrukturierung der russischen Militärspitze gewertet und mit Skepsis kommentiert.
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