
Narges Mohammadi im Krankenhaus: Nobelkomitee sieht ihr Leben in den Händen Teherans
Der Gesundheitszustand der inhaftierten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi hat sich dramatisch verschlechtert. Die 54‑Jährige liegt nach einem Zusammenbruch mit zwei Bewusstseinsverlusten und einer schweren Herzkrise auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Sandschan, einer Stadt im Nordwesten Irans. Der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, erklärte am Samstag, Mohammadi schwebe in Lebensgefahr und ihr Schicksal liege nun in den Händen der iranischen Behörden. Er forderte deren sofortige Zustimmung zur Verlegung nach Teheran, wo sie von einem eigenen Ärzteteam behandelt werden könne.
Aus Teheraner Sicht ist die Lage heikel: Die Regierung in Teheran hat die Aktivistin, die 2023 für ihren Einsatz für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe ausgezeichnet wurde, wiederholt als „Staatsfeindin“ verfolgt. Sie sitzt eine mehrjährige Haftstrafe wegen „Zusammenrottung“ und „Propaganda gegen das Regime“ ab. Ihre Familie spricht von einer „Last-Minute“-Verlegung aus dem Gefängnis, die womöglich zu spät komme. Die Stiftung der Inhaftierten teilte mit, dass der Blutdruck der Nobelpreisträgerin instabil sei und die Behandlung bislang nur aus Sauerstoffgabe bestehe. Fachärzte aus Teheran seien jedoch nicht zugelassen worden. Aus Oslo wird der Druck auf die Islamische Republik nun verstärkt – die Nobelkomitee führt eine Diskussion über die Glaubwürdigkeit der iranischen Justiz, das Völkerrecht und die humanitäre Verantwortung.
In Washington und europäischen Hauptstädten, darunter Berlin, Wien und Bern, wächst die Besorgnis. Die Bundesregierung hat sich bislang zurückhaltend geäußert, doch Menschenrechtsorganisationen fordern eine gemeinsame diplomatische Intervention. Der Fall Mohammadi ist ein Lackmustest für die Bereitschaft des Westens, humanitäre Prinzipien auch gegenüber einem schwierigen Partner wie Iran durchzusetzen. Sollte die Nobelpreisträgerin sterben, wäre dies ein schwerer Schlag für das ohnehin ramponierte Ansehen der Islamischen Republik und könnte die Sanktionsdebatte neu entfachen. Zugleich zeigt die Weigerung Teherans, Mohammadi in eine spezialisierte Klinik überführen zu lassen, wie tief die Kluft zwischen medizinischer Notwendigkeit und politischer Rücksichtnahme reicht. Die nächsten Stunden werden entscheiden, ob der internationale Druck noch Wirkung entfalten kann – oder ob der Fall Mohammadi zum tragischen Symbol für die unerbittliche Härte des iranischen Systems wird.
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