
Narges Mohammadi in kritischem Zustand: Nobelpreisträgerin im Herzzentrum – Appell der Familie
Die gesundheitliche Lage der inhaftierten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi hat sich dramatisch zugespitzt. Nach Angaben der von ihrer Familie geführten Stiftung liegt die 52-Jährige seit Freitag auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der nordwestiranischen Stadt Zandschan. Ihr Zustand sei kritisch, der Blutdruck schwanke lebensgefährlich, und die Behandlung beschränke sich derzeit auf Sauerstofftherapie. Die Stiftung spricht von einem „katastrophalen Verfall“ – offenbar erlitt Mohammadi zwei Bewusstlosigkeiten und eine schwere Herzkrise. Ihre Tochter Kiana Rahmani appellierte aus dem Exil an die iranischen Behörden: „Lasst sie frei, sonst wird sie sterben.“ Sie berichtet, das Herz der Mutter sei nach über zehn Jahren Haft und zahlreichen Hungerstreiks erschöpft, ein bereits eingesetzter Stent reiche nicht mehr aus. Die Ärzte hätten der Familie mitgeteilt, dass eine echte Diagnose erst möglich sei, wenn Mohammadi von ihrem eigenen medizinischen Team untersucht werden könne – was die Haftbedingungen faktisch als lebensbedrohlich entlarvt.
Aus Teheraner Sicht ist der Fall heikel. Das Regime hatte Mohammadi 2023 den Friedensnobelpreis verliehen bekommen, während sie bereits inhaftiert war – eine peinliche Anerkennung ihres Kampfes für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe. Nun wirft die Familie den Behörden vor, zu lange gezögert und die Überstellung ins Krankenhaus als „Last-Minute-Aktion“ durchgeführt zu haben. Aus Washingtoner Perspektive betont das US-Außenministerium seit Langem die systemische Missachtung von Gefangenenrechten in Iran. Mohammadi gilt als Symbolfigur der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“, die 2022 die Islamische Republik erschütterte. In europäischen Hauptstädten, insbesondere in Berlin, Paris und Bern, wächst der Druck auf die iranische Führung: Menschenrechtsorganisationen fordern sofortige medizinische Evakuierung. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die selbst mit iranischen Dissidenten in Kontakt stehen, ist der Fall ein Prüfstein für den Umgang mit politischen Gefangenen – diplomatische Interventionen bleiben jedoch bislang wirkungslos.
Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklung mit teils kritischer Distanz, da Iran ein wichtiger Partner in der Seidenstraßen-Initiative ist. Die iranische Justiz schweigt offiziell, doch die verzögerte Behandlung spricht für eine gezielte Verweigerung angemessener medizinischer Versorgung. Sollte Mohammadi sterben, droht dem Regime eine neue internationale Isolationswelle – bereits jetzt hat der Fall das humanitäre Ansehen Irans weiter beschädigt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Behörden dem Druck standhalten oder zumindest eine Verlegung in ein Spezialkrankenhaus erlauben. Für die iranische Zivilgesellschaft ist die Botschaft eindeutig: Selbst eine Nobelpreisträgerin ist vor den Schergen des Systems nicht sicher. Die Welt schaut nach Zandschan – und mit ihr das Schicksal einer Frau, die für ihre Überzeugungen ihr Leben riskiert.
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