
Ohrfeige im Training: Neymar entschuldigt sich bei Robinho Junior – Versöhnung nach Eklat beim FC Santos
Nach einem Handgemenge mit dem 18-jährigen Sohn seines ehemaligen Mentors entschuldigt sich Neymar öffentlich. Der Vorfall wirft Fragen nach Machtmissbrauch im Profifußball auf.
Die brasilianische Fußballwelt blickt dieser Tage auf ein ungewöhnliches Duell zwischen Altstar und Nachwuchshoffnung: Neymar, der 34-jährige Rekordtorschütze der Seleção, hat während eines Trainings beim FC Santos den 18-jährigen Robinho Junior geohrfeigt. Auslöser war eine Dribbeleinlage des jungen Spielers, der im direkten Zweikampf an Neymar vorbeizog. Was als Frustration begann, eskalierte in einen Wortwechsel, dem Neymar einen Schlag ins Gesicht folgen ließ. Der Vorfall erregt umso mehr Aufsehen, weil Neymar selbst oft betont hatte, Robinho Junior – den Sohn seines einstigen Förderers Robinho – auf dessen Weg im Profifußball begleiten zu wollen.
Der Club Santos meldete sich umgehend zu Wort, räumte die Auseinandersetzung ein, betonte jedoch, dass es keine Videoaufzeichnung des Trainings gebe, da die Einheit nur für Spieler gedacht gewesen sei, die im vorangegangenen Pflichtspiel nicht zum Einsatz gekommen waren. Der 18-Jährige bestätigte später vor der Presse den Schlag, erklärte aber zugleich, die Sache sei bereinigt. Zunächst hatten seine Berater eine außergerichtliche Notifizierung an den Verein geschickt, um rechtliche Schritte zu prüfen. Nach einem persönlichen Gespräch und einer zweiten Entschuldigung Neymars zog Robinho Junior jedoch die Anzeige zurück. „Es war ein Moment der Wut, mehr Gefühl als Gedanke. Jeder macht Fehler, auch er“, sagte der Nachwuchsspieler gegenüber brasilianischen Medien.
Aus rechtlicher Perspektive wirft der Fall weitergehende Fragen auf. Mit der neuen brasilianischen Allgemeinen Sportgesetzgebung könnten derartige Vorfälle als systematische Einschüchterung – also als Bullying – gewertet werden, da ein klares Machtgefälle zwischen dem Star und dem jungen Teamkollegen besteht. Beobachter in Brasília weisen darauf hin, dass der Gesetzgeber von den Vereinen verlangt, präventive Maßnahmen gegen solche Übergriffe zu ergreifen. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs ist nicht zu erwarten, doch die Debatte um Machtstrukturen im Profifußball gewinnt an Schärfe – auch in Europa, wo deutsche und österreichische Klubs ähnliche Richtlinien implementieren.
Der Präsident des Obersten Bundesgerichts, Gilmar Mendes, kommentierte den Vorfall auf ungewöhnliche Weise mit einer Nachricht auf der Plattform X: „Der Fußball kennt Uneinigkeiten, aber die Liebe zum Sport spricht immer lauter. In seinen 114 Jahren hat sich der FC Santos durch Einheit und Respekt ausgezeichnet. Das Team bleibt vereint.“ Dazu postete er ein Foto, das Neymar und Robinho Junior nach einem gemeinsamen Tor in der Copa Sudamericana umarmt zeigt. Ob diese Geste die tiefer liegenden Spannungen überdeckt, bleibt fraglich: Neymars Rückkehr zu seinem Jugendclub war ohnehin von hohen Erwartungen begleitet, und die Ohrfeige könnte das Vertrauen in seine Führungsrolle nachhaltig beschädigen. Für Santos steht nun nicht nur der sportliche Erfolg auf dem Spiel, sondern auch die Glaubwürdigkeit seines Umgangs mit Machtmissbrauch – eine Lektion, die weit über die Grenzen Brasiliens hinaus reicht.
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