
Irans Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi nach Herznotfall ins Krankenhaus verlegt
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist am Freitag unter dramatischen Umständen von ihrem Gefängnis in Zendschan in ein Krankenhaus im Nordwesten des Landes gebracht worden. Nach Angaben ihrer Stiftung erlitt die 51-jährige Menschenrechtsaktivistin in Haft zwei Bewusstseinsverluste und einen schweren Herzanfall – eine Zuspitzung, die auf 140 Tage systematischer medizinischer Vernachlässigung folge. Ihr Anwalt Mostafa Nili berichtete, dass Mohammadi bereits am Donnerstag nach einem abrupten Blutdruckabfall kollabiert sei; der Gefängnisarzt habe nach der Gabe von Infusionen und Antiemetika die sofortige Verlegung angeordnet. Zunächst habe die Aktivistin den Transport verweigert, da zwei Fachärzte in Zendschan eine Behandlung in den dortigen Krankenhäusern wegen ihrer Vorgeschichte – drei Angioplastien und Stent-Implantationen – als zu riskant eingestuft und die Betreuung durch ihr eigenes medizinisches Team empfohlen hätten. Die Stiftung beschreibt Mohammadi derzeit auf der kardiologischen Intensivstation mit instabilem Blutdruck und Sauerstoffzufuhr; sie leide an Übelkeit und benötige dringend eine Angiographie sowie die Überführung nach Teheran, um Zugang zu ihrem persönlichen Ärzteteam zu erhalten.
Aus Teheraner Sicht ist die Verlegung ein Zugeständnis an den internationalen Druck, doch die Umstände werfen ein grelles Licht auf die justizielle Willkür, der politische Gefangene ausgesetzt sind. Nach Angaben von Nili hatte die Teheraner Staatsanwaltschaft entgegen der forensischen Empfehlung, die eine einmonatige Behandlungsunterbrechung forderte, die Therapie in Zendschan angeordnet – ein Rechtsbruch, den das dortige Gericht zu sanktionieren scheute. Beobachter in Washington sehen in dem Fall einen weiteren Beleg für die Missachtung grundlegender Menschenrechte durch das Regime in Teheran, während die Europäische Union bereits mehrfach die sofortige Freilassung der Nobelpreisträgerin gefordert hat. In Berlin, Wien und Bern verfolgt man die Entwicklung mit besonderer Sorge, da Mohammadi als Symbol des friedlichen Widerstands gilt und ihr Gesundheitszustand die Glaubwürdigkeit des iranischen Systems in der DACH-Region zusätzlich untergräbt.
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Gesundheitskrisen politischer Häftlinge im Iran, die häufig erst nach massivem externem Druck behandelt werden. Dass Mohammadi Anfang des Jahres in einen Hungerstreik getreten war, unterstreicht die Verzweiflung über die verweigerte medizinische Versorgung. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die iranischen Behörden einer Verlegung nach Teheran oder gar einer Freilassung aus medizinischen Gründen zustimmen. Sollte das Regime weiterhin auf Konfrontation setzen, droht nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern auch eine weitere Eskalation der diplomatischen Spannungen mit westlichen Hauptstädten – ein Risiko, das in Teheran angesichts der angespannten Wirtschaftslage und der Proteste im eigenen Land wohl kalkuliert wird.
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