
Ölpreis fällt unter 100 Dollar: Hoffnung auf Waffenruhe zwischen USA und Iran
Die Rohölnotierungen brechen ein, nachdem Washington und Teheran eine Annäherung signalisieren. Der Brent-Preis fällt erstmals seit Wochen wieder unter die psychologisch wichtige Marke.
Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ist am Donnerstag unter die Marke von 100 Dollar gefallen und notierte zwischenzeitlich bei 98,82 Dollar. Auslöser des Einbruchs sind zunehmende Anzeichen einer diplomatischen Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Nach Informationen aus Washington hat die amerikanische Regierung Teheran einen einseitigen Absichtserklärung übermittelt, die eine schrittweise Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus vorsieht. Der Iran soll in den kommenden Tagen antworten. Die Nachricht ließ die Ölpreise am Mittwoch um bis zu neun Prozent fallen, nachdem sie zuvor aufgrund der Blockade der Meerenge auf über 113 Dollar gestiegen waren.
Aus Teheraner Sicht bleibt freilich Skepsis angebracht. Ein hochrangiger iranischer Vertreter wies das amerikanische Angebot als „Wunschliste“ zurück, die wenig mit der Realität zu tun habe. Auch Präsident Donald Trump dämpfte die Erwartungen, indem er direkte Gespräche mit der Führung in Teheran als „verfrüht“ bezeichnete. Die von ihm erst vor Tagen ausgerufene „Operation Freedom“ zur Sicherung der Durchfahrt durch den Persischen Golf wurde jedoch bereits auf Bitten Pakistans und anderer Staaten ausgesetzt. Beobachter in Peking verweisen darauf, dass eine Einigung zwar den akuten Preisdruck mildern, aber nicht die strukturelle Verknappung der Ölversorgung beheben würde. Selbst bei einem Waffenstillstand werde es Wochen dauern, bis die Tanker wieder ungehindert verkehren könnten.
Die Entwicklung hat unmittelbare Folgen für die Energieversorgung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die drei Länder sind in hohem Maße von Rohölimporten abhängig, die zuletzt durch die Blockade im Nahen Osten verteuert wurden. Mit dem Rückgang der Brent-Notierungen unter die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke entspannt sich die Lage an den Zapfsäulen und Heizölmärkten in Mitteleuropa spürbar. Analysten warnen jedoch vor voreiligem Optimismus: Sollten die Gespräche scheitern und der Konflikt wieder aufflammen, droht ein erneuter Preisschub, der die Weltwirtschaft belasten würde. Die Märkte bewegen sich in einem schmalen Korridor zwischen Hoffnung und geopolitischer Unsicherheit – ein Ende der Volatilität ist vorerst nicht in Sicht.
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