
Pakistan erlebt zweiten schweren Anschlag binnen Tagen – neun Tote bei Selbstmordattentat
Ein Selbstmordattentäter tötet in Nordwestpakistan mindestens neun Menschen. Islamabad wirft den Taliban in Kabul vor, Terroristen zu schützen.
Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist die pakistanische Provinz Khyber Pakhtunkhwa Schauplatz eines verheerenden Selbstmordanschlags geworden. Am Dienstag sprengte sich ein Attentäter auf einem mit Sprengstoff beladenen Rikscha an einem stark frequentierten Basar im Ort Lakki Marwat in die Luft. Nach Angaben der Polizei kamen mindestens neun Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt. Unter den Toten befinden sich zwei Polizisten, die an einem Kontrollposten Dienst taten – und offenbar das eigentliche Ziel des Anschlags waren. Die meisten Opfer sind jedoch unbeteiligte Zivilisten, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Der Anschlag folgt auf einen ähnlichen Angriff vom vergangenen Samstag, bei dem in der nahe gelegenen Stadt Bannu ein Autobombe vor einem Polizeiposten explodierte und mindestens fünfzehn Menschen tötete. Für jenes Attentat bekannte sich eine neu gegründete militante Dschihadistengruppe, die sich selbst als Abspaltung von den pakistanischen Taliban (TTP) bezeichnet. Die Gruppe gibt sich bislang keinen eigenen Namen, doch ihre Herkunft deutet auf eine Fragmentierung der ohnehin zersplitterten militanten Szene hin. Beobachter in Islamabad sehen darin ein Zeichen wachsender Instabilität, die nicht allein auf pakistanischem Boden bekämpft werden könne.
Aus pakistanischer Sicht ist die Quelle der Bedrohung klar benannt: Das Außenministerium in Islamabad hat am Montag den ranghöchsten afghanischen Diplomaten einbestellt und ihm vorgeworfen, die radikalen Gruppen auf afghanischem Territorium gewähren zu lassen. Die Taliban in Kabul weisen diese Anschuldigungen erwartungsgemäß zurück. Diplomaten in der Region befürchten jedoch, dass die Spannungen zwischen beiden Ländern weiter zunehmen – zumal die pakistanische Führung unter wachsendem innenpolitischem Druck steht, die Sicherheitslage in den Stammesgebieten unter Kontrolle zu bringen.
Die Anschlagsserie trifft Pakistan in einer Phase ohnehin angespannter Beziehungen zu seinen Nachbarn und zu westlichen Partnern. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die in der Region sicherheitspolitisch und entwicklungspolitisch engagiert sind, bedeutet die Eskalation eine erneute Warnung. Die Gefahr, dass militante Gruppen von afghanischem Boden aus operieren, ist nicht gebannt – im Gegenteil. Ohne eine glaubwürdige diplomatische Lösung zwischen Islamabad und Kabul droht die Spirale der Gewalt sich weiter zu drehen, mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.
| Arabische Golfpresse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Indische & südasiatische Presse | −0.50 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.40 | critical |
Die Presse des Arabischen Golfs stellt den Anschlag als weiteres Glied einer Gewaltspirale dar, die die regionale Stabilität bedroht. Sie betont die Verbindung zu Afghanistan und deutet mögliche Spannungen zwischen den beiden Ländern an. Der Ton ist besorgt, aber sachlich, mit Schwerpunkt auf den Opfern und der Dynamik der Explosion.
Die indische und südasiatische Presse berichtet über den Anschlag mit einem distanzierten, analytischen Ton und konzentriert sich auf die Details der Explosion und die Opfer. Sie stellt fest, dass der Angriff in einem bereits instabilen Gebiet stattfand, jedoch ohne emotionale Betonung. Die Erzählung ist überwiegend sachlich, mit Verweisen auf laufende Ermittlungen.
Die kontinentaleuropäische Presse, insbesondere die nordische, stellt den Anschlag als Teil einer Eskalation der Gewalt dar, die auch das benachbarte Afghanistan betrifft. Sie hebt die Bekennung durch eine jihadistische Gruppe und die Anschuldigungen Islamabads gegen Kabul hervor. Der Ton ist gemessen, aber mit einem Gefühl der Dringlichkeit, das die regionalen Auswirkungen betont.
Die atlantische Presse stellt den Anschlag als schwerwiegenden Vorfall in einem Kontext wachsender Instabilität in Pakistan dar und verknüpft ihn direkt mit dem Angriff am Wochenende. Sie gibt Raum für pakistanische Anschuldigungen gegen Afghanistan und Kabuls Dementi. Der Ton ist besorgt, aber ausgewogen, mit Fokus auf regionale Sicherheitsdynamiken.
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