
Pogacar dominiert die Tour de Romandie: Sieg im Sprint und ein Scherz über das Trikot
Tadej Pogacar hat auch die zweite Etappe der Tour de Romandie für sich entschieden und damit seine Vormachtstellung in der Schweiz eindrucksvoll untermauert. Der slowenische Weltmeister setzte sich auf der 173,1 Kilometer langen Strecke von Rue nach Vucherens im Sprint einer reduzierten Spitzengruppe vor dem Franzosen Dorian Godon durch. Aus Schweizer Sicht trübte das frühe Aus von Mauro Schmid die Freude: Der 26-Jährige musste die Etappe aufgeben und ist somit von der Rundfahrt ausgeschlossen. Immerhin gelang es Roland Thalmann, sich in den Ausreißergruppen genügend Punkte für das gepunktete Bergtrikot zu sichern, das er auf der dritten Etappe tragen darf.
Aus deutscher Perspektive fiel die Aufmerksamkeit auf Florian Lipowitz, der sich am Vortag mit einer umstrittenen Attacke unbeliebt gemacht hatte und nun erneut versuchte, Pogacar zu fordern. Der Fahrer von Red Bull Bora-hansgrohe griff auf dem letzten Anstieg an, wurde jedoch vom dominierenden Slowenen kontrolliert und wieder eingeholt. Lipowitz kam schließlich in der Verfolgergruppe ins Ziel, während sein Teamkollege Finn Fisher-Black den dritten Platz belegte. Beobachter in Berlin sehen in diesen Angriffen ein Zeichen des Muts, aber auch der Vergeblichkeit angesichts der Übermacht Pogacars.
Der Sieg war keineswegs ein Selbstläufer. Wie bereits am Vortag prägten zahlreiche Attacken das Rennen, und Pogacar musste auf der Schlusssteigung mehrere Angriffe kontern, bevor er im Flachstück seinen Sprint anzog. Dass er dabei ohne einen einzigen Teamkollegen auskommen musste, unterstreicht seine außergewöhnliche Form. In der FAZ wird konstatiert, dass Pogacar nun auch sprinten könne – eine weitere Facette eines Radsportlers, der scheinbar kein Terrain unerobert lässt. Le Temps aus der Westschweiz hebt hervor, wie sehr der Slowene diese Rundfahrt als „Spielplatz und Experimentierfeld“ nutze, um neue taktische Register zu ziehen.
Diese spielerische Leichtigkeit fand ihren Ausdruck auch in einem Interview nach der ersten Etappe: Auf die Frage, ob er lieber das Regenbogentrikot des Weltmeisters oder das Gelbe Leadertrikot trage, antwortete Pogacar mit einem Scherz: „Ich mag es lieber nackt.“ Der Satz sorgte in den sozialen Medien für Heiterkeit, zeigt aber auch das Selbstbewusstsein eines Fahrers, der die Konkurrenz nicht nur sportlich, sondern auch mental dominiert.
Die Tour de Romandie bleibt damit vorerst eine One-Man-Show. Für die Konkurrenz wird es in den kommenden Bergetappen darauf ankommen, Pogacars Vorsprung in den Gesamtwertung zu brechen – eine Aufgabe, die nach den ersten beiden Tagen kaum lösbar erscheint. Aus Sicht der Veranstalter ist die Dominanz des Slowenen ein Glücksfall: Sie garantiert mediale Aufmerksamkeit und sportliche Höchstleistung, auch wenn die Spannung um den Gesamtsieg bereits jetzt dahinzuschwinden droht.
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