
Premierminister Salam fordert in südlibanesischer Pilotzone vollständigen israelischen Abzug
Bei einem Besuch in Zawtar al-Gharbiya, wo die libanesische Armee am Vortag im Rahmen eines US-vermittelten Abkommens stationiert wurde, bekräftigte Nawaf Salam das Ziel eines kompletten Rückzugs Israels und kündigte den Wiederaufbau an.
Am Mittwoch besuchte der libanesische Premierminister Nawaf Salam die Ortschaft Zawtar al-Gharbiya im Süden des Landes, einen Tag nachdem die libanesische Armee dort im Rahmen einer von Washington vermittelten „Pilotzone“ Stellung bezogen hatte. Wie die Nachrichtenseite Al-Manar English und weitere libanesische Medien übereinstimmend berichteten, erklärte Salam, seine Regierung werde „alle politischen und diplomatischen Anstrengungen fortsetzen, um einen vollständigen israelischen Abzug aus dem Süden zu erreichen“. Er pflanzte eine libanesische Flagge und kündigte an, parallel zum Armeeeinsatz Straßen zu öffnen, Trümmer zu beseitigen und grundlegende Dienstleistungen wiederherzustellen, um die Rückkehr der Vertriebenen zu ermöglichen.
Das Abkommen, das vor einem Monat unterzeichnet wurde, sieht vor, dass die libanesische Armee in den Pilotzonen die pro-iranische Hisbollah entwaffnet und jegliche militärische Aktivität nichtstaatlicher Gruppen unterbindet, um so den Weg für künftige israelische Rückzüge aus weiteren Gebieten zu ebnen. Die Hisbollah, die das Abkommen wiederholt abgelehnt hat und sich weigert, ihre Waffen niederzulegen, hatte den Libanon nach Darstellung der Berichte am 2. März durch einen Angriff auf Israel in den Nahostkrieg hineingezogen, was massive israelische Luftangriffe und eine Bodeninvasion auslöste. Die israelische Zeitung Maariv kommentierte unterdessen, der Einmarsch der libanesischen Armee in mehrere Dörfer im Bezirk Nabatäa habe „keine wesentliche Bedeutung für die Sicherheit Israels“; die israelische Armee sei in zwei der Orte während ihrer Operationen gar nicht einmarschiert.
Bereits am Dienstag hatte das libanesische Militär mitgeteilt, israelische Kräfte hätten „in der Nähe dieser Einheiten das Feuer eröffnet“, was den Einsatz behindere. Die israelische Armee sprach von „Warnschüssen in die Luft“, nachdem libanesische Soldaten ein Gebiet betreten hätten, das nicht Teil der Pilotzone sei. Vor Ort stieß Salams Besuch auf Unmut: Wie die Zeitung An-Nahar und der Korrespondent von Al-Manar berichteten, beklagten Anwohner, der Premierminister sei ohne Ankündigung und ohne Kontakt zur Bevölkerung durch den Ort gefahren, ohne ihre Lage zu erfassen. Tags zuvor hatte Präsident Joseph Aoun bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus die „dringende Notwendigkeit eines vollständigen israelischen Abzugs“ betont; Trump sicherte Libanon nach Angaben der mexikanischen Zeitung Excelsior „viel“ Hilfe zu.
Die Gewalt war nach Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran sowie des Libanon-Israel-Abkommens im vergangenen Monat stark zurückgegangen. Nach Angaben libanesischer Behörden wurden seit März mehr als 4.300 Menschen durch israelische Angriffe getötet, und israelische Kräfte haben Dutzende Gebäude im Süden zerstört. Über eine Million Menschen waren vertrieben worden; nach UN-Angaben sind in den vergangenen Wochen mehr als 700.000 in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Die libanesische Regierung hat nach eigenen Angaben mit den Vorbereitungen zur Wiederherstellung der Wasser-, Strom- und Telekommunikationsversorgung begonnen und arbeitet an der Bereitstellung von Fertighäusern. Der Einsatz in den Pilotzonen gilt als erster Test für die schrittweise Umsetzung des Abkommens.
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