
Südkoreanischer Sternekoch wegen Ameisen-Desserts vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft in Seoul fordert ein Jahr Haft für den Inhaber eines mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants, weil er importierte Ameisen als Speisegarnitur verwendete.
Die Staatsanwaltschaft in Seoul hat am Montag eine einjährige Haftstrafe für den Inhaber eines mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants beantragt. Zugleich fordert sie eine Geldbuße von 20 Millionen Won (rund 11.750 Euro) gegen das Unternehmen. Dem Betreiber wird vorgeworfen, gegen das südkoreanische Lebensmittelhygienegesetz verstoßen zu haben, indem er über einen Zeitraum von vier Jahren Ameisen als Dekoration für Sorbets servierte. Die Insekten sind nicht in der Liste der zehn zum Verzehr zugelassenen Arten aufgeführt. Einem Bericht der argentinischen Zeitung La Nación zufolge handelt es sich bei dem Lokal um das Restaurant Evett im Seouler Nobelbezirk Gangnam; in den Gerichtsakten werden weder der Name des Restaurants noch der des Inhabers genannt.
Die Ermittlungen kamen in Gang, nachdem Mitarbeiter des Ministeriums für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit in Online-Bewertungen Fotos von mit Ameisen bestreuten Speisen entdeckt hatten. Nach Darstellung der Anklage importierte das Restaurant rund 49.000 getrocknete Ameisen aus den Vereinigten Staaten und Thailand und setzte sie in verschiedenen Gängen ein. Das mit Ameisen garnierte Dessert sei zwischen 2021 und 2025 mehr als 12.200 Mal serviert worden, was Einnahmen von etwa 120 Millionen Won generiert habe. Labortests der Gesundheitsbehörden ergaben zudem, dass die verwendeten Ameisen bis zu 55-mal höhere Schwermetallwerte aufwiesen als gewöhnliche essbare Insekten.
Der Angeklagte räumte die Verwendung der Ameisen ein, machte jedoch geltend, sie hätten nur einen geringen Teil des 15-gängigen Degustationsmenüs ausgemacht. Die Gäste seien vorab informiert worden und hätten zwischen der Ameisengarnitur und Alternativen wie fermentiertem Essig oder essbaren Blüten wählen können. Etwa 60 Prozent der Kunden hätten sich für die Ameisen entschieden. Die Verteidigung verwies zudem auf die Praxis in Ländern wie Dänemark, Großbritannien und Australien, wo Ameisen ebenfalls als Zutat in der Spitzengastronomie verwendet würden.
Das südkoreanische Recht erlaubt den Verzehr von Insekten nur unter strengen Auflagen. Zugelassen sind zehn Arten, darunter Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer. Für nicht genehmigte Spezies ist ein befristetes Zulassungsverfahren vorgeschrieben, das das Restaurant nicht durchlief. Die Behörden bewerten dabei Kriterien wie Lebensmittelsicherheit, Toxizität, Nährwert und die Möglichkeit einer hygienischen Zucht und Verarbeitung. In Seoul gibt es insgesamt zehn mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurants. Das Urteil des Gerichts wird für den 2. September erwartet.
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