
Rassistische Beleidigungen im englischen Fußball: 71-jähriger Everton-Fan festgenommen
Nach rassistischen Rufen gegen Antoine Semenyo während des Premier-League-Spiels nahm die Polizei einen 71-jährigen Fan fest. Auch Marc Guéhi wurde online attackiert.
Ein 71-jähriger Mann aus Nottinghamshire ist am Dienstagabend von der Polizei in Liverpool festgenommen worden – wegen des Verdachts, während des gestrigen Premier-League-Spiels zwischen Everton und Manchester City rassistische Beleidigungen gegen den gegnerischen Spieler Antoine Semenyo gerufen zu haben. Der Vorfall ereignete sich im Hill-Dickinson-Stadion, als der Ghanaer den Ball führen wollte. Sowohl Ordner als auch andere Zuschauer alarmierten die Sicherheitskräfte, der Beschuldigte wurde noch während der Partie identifiziert und in Gewahrsam genommen.
Nach einer ersten Vernehmung entließen die Beamten den Mann gegen Kaution, belegten ihn jedoch mit strengen Auflagen: Vier Stunden vor Anpfiff, während des gesamten Spiels und vier Stunden danach darf er sich keinem Fußballstadion auf eine Meile nähern. Aus Liverpools Sicht hat der Klub Everton die Ermittlungen unterstützt und betont, dass Rassismus und Diskriminierung in keiner Form geduldet würden. Auch Manchester City lobte das schnelle Eingreifen des Gastgebers und der Polizei.
Der Fall zeigt jedoch ein wiederkehrendes Muster: Semenyo war bereits im August, damals noch im Trikot von Bournemouth, im Stadion des FC Liverpool Ziel rassistischer Anfeindungen geworden. Dass der Fußball in England nach jahrelangen Anti-Rassismus-Kampagnen immer wieder mit solchen Vorfällen konfrontiert wird, beunruhigt nicht nur Verantwortliche in der Premier League. In Deutschland und Österreich haben die Verbände in den vergangenen Jahren ebenfalls verstärkt auf klare Stadionverbote und polizeiliche Konsequenzen gesetzt, doch die Zahl der gemeldeten Diskriminierungsfälle bleibt hoch.
Aus Schweizer Perspektive zeigt sich, dass auch dort soziale Medien zunehmend als Plattform für Hass genutzt werden. Denn der jüngste Fall beschränkte sich nicht auf das Stadion: Nach dem Schlusspfiff wurde Manchester Citys Verteidiger Marc Guéhi, der am Gegentor zum 3:3 beteiligt gewesen war, auf Instagram und X mit einer Serie rassistischer Nachrichten überzogen. Der Klub stellte sich sofort hinter beide Spieler und forderte die Plattformbetreiber auf entschlossener gegen Hassrede vorzugehen.
Beobachter in London weisen darauf hin, dass die englische Polizei zwar effizient reagiere, die justiziellen Hürden jedoch hoch seien – die Auflagen für den 71-Jährigen seien beachtlich, aber bei Ersttätern oft die einzige Sanktion. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Fall vor Gericht landet und wie die Premier League ihre seit Jahren beschworene Null-Toleranz-Politik mit Leben füllen kann. Die nächste Saison beginnt in wenigen Wochen, und die Diskussion über wirksame Prävention – von verstärkten Stadionkontrollen bis zu digitalen Verhaltenskodizes – wird das Spielgeschehen begleiten.
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