
Rekordgewinne und Fan-Proteste: Die Widersprüche der WM 2026
Die FIFA bereitet sich auf ihr finanziell einträglichstes Turnier vor: Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada soll nach Prognosen des Weltverbandes Einnahmen von 13 Milliarden US-Dollar erzielen, fast neun Milliarden davon allein im laufenden Jahr. Präsident Gianni Infantino spricht vom „größten Ereignis der Menschheitsgeschichte“. Doch schon Monate vor dem Anpfiff mehren sich die Anzeichen, dass dieser Superlativ nicht nur Begeisterung, sondern auch tiefe Verwerfungen mit sich bringt.
Aus Sicht vieler Fans in den Gastgeberländern offenbart sich die Kehrseite dieser Rekordsummen. In Kansas City, einer der sechzehn Spielstätten, bejubeln Einheimische zwar die „einmalige Gelegenheit“, die Welt bei sich willkommen zu heißen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch hier, wie sehr sich die Kosten für die Zuschauer von den gewohnten Preisen entfernt haben. Der öffentliche Nahverkehr in den USA treibt die Fans vor den Kopf: Die New Jersey Transit verlangt für die Fahrt nach East Rutherford 150 Dollar, die MBTA in Boston verlangt 80 Dollar für eine Expressfahrt nach Foxborough – mehr als das Dreifache des Normalpreises. In Kansas City selbst können die Parkgebühren für ein Spiel auf bis zu 900 Dollar steigen. Tickets für die Vorrundenspiele der US-Mannschaft kosten für eine vierköpfige Familie schnell über 6000 Dollar, wie betroffene Anhänger berichten. Manche Fans sprechen bereits von einem Boykott und fragen sich, ob die Stadien tatsächlich gefüllt sein werden.
Aus kanadischer Perspektive treten zusätzliche Sicherheitsbedenken hinzu. Ottawa hat für Vancouver und Toronto weitere 106 Millionen Dollar bereitgestellt, um die Polizeipräsenz zu verstärken und potenzielle Bedrohungen abzuwehren. Die Regierung betont, dass der beispiellose Umfang der Veranstaltung eine ebenso beispiellose Sicherheitsinfrastruktur erfordere. In Mexiko hingegen sorgt das Klima für Unruhe: Meteorologen warnen, dass die Feuchtkugeltemperatur in mehreren Austragungsorten im Juli 32 Grad Celsius überschreiten könnte, was für Spieler und Zuschauer gesundheitliche Risiken birgt. Die FIFA hat darauf reagiert, indem sie zusätzliche Kühlzonen und flexible Spielpläne ankündigte.
Doch die Widersprüche reichen tiefer. Während der Weltverband offiziell das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ausgibt, finanziert Saudi Aramco, der größte Ölkonzern der Welt, die WM als Hauptsponsor. Schätzungen zufolge fließen rund 400 Millionen Dollar für eine herausgehobene Präsenz auf allen Übertragungsplattformen. Für Umweltaktivisten ist dies ein Offenbarungseid einer Organisation, die Nachhaltigkeit und Kommerz nicht vereinbaren könne.
Aus europäischer Sicht, insbesondere aus deutschsprachigen Ländern, mag die WM 2026 in weiter Ferne liegen. Dennoch werfen die Berichte aus Nordamerika ein Schlaglicht auf die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs, die auch in den Stadien der Bundesliga oder der Super League längst spürbar ist. Die Frage, ob Sport und Profit noch miteinander vereinbar sind, wird sich nicht nur in Los Angeles oder Kansas City stellen, sondern weltweit. Die FIFA steht vor der Herausforderung, die Rekordeinnahmen nicht mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit zu bezahlen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die größte WM der Geschichte auch eine der gespaltensten wird.
Erweitere deinen Horizont
Trump erwartet baldiges Ende des Krieges gegen Iran und weist Berichte über Munitionsengpässe zurück
4 Sprachen · 30 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen