
Rekordtiefstand der Donau zwingt Ungarns einziges Kernkraftwerk zur Abschaltung
Weil der Pegel unter die Ansaugstutzen der Pumpen gefallen ist, kann das AKW Paks kein Kühlwasser mehr entnehmen; die Regierung in Budapest warnt vor einer Energiekrise ab dem 3. August.
Das ungarische Kernkraftwerk Paks, das rund die Hälfte des im Land erzeugten Stroms liefert, steht vor der vollständigen Abschaltung aller vier Reaktoren. Der Betreiber MVM Paks kündigte an, dass die Anlage innerhalb von 24 bis 72 Stunden vom Netz gehen könnte; der Prozess der schrittweisen Leistungsreduzierung hat bereits begonnen. Auslöser ist der historisch niedrige Wasserstand der Donau, der am 27. Juli bei Paks mit minus 106 Zentimetern einen neuen Rekordwert erreichte und Prognosen zufolge bis zum 4. August auf minus 131 Zentimeter sinken dürfte.
Anders als bei früheren Niedrigwasserereignissen reicht die Gesamtwassermenge des Flusses zwar noch zur Kühlung aus, doch die Oberfläche ist unter die Einlässe der Pumpen gefallen. Die in vier Jahrzehnten vorgenommenen Ertüchtigungen erlaubten einen Betrieb bis zu 120 Zentimeter unterhalb des ursprünglichen Auslegungswerts; der aktuelle Rückgang übersteigt diese Marge. Der Betreiber hat vorsorglich ein Notpumpensystem installiert und betont, dass der Kühlwasserbedarf der abgeschalteten Reaktoren auf einen Bruchteil sinkt – von rund 100 Kubikmetern pro Sekunde im Betrieb auf fünf Kubikmeter pro Minute im Nachkühlbetrieb. Die nukleare Sicherheit sei damit gewährleistet.
Ministerpräsident Péter Magyar warnte, dass dem Land ab dem 3. August eine Energiekrise drohe, weil mit der Abschaltung schlagartig 2.000 Megawatt Erzeugungsleistung entfielen – und das in einer Hitzewelle, die den Stromverbrauch durch Klimaanlagen in die Höhe treibt. Er rief die Bevölkerung zu freiwilligen Einsparungen auf, insbesondere in den Abendstunden, und bat darum, Elektroautos nicht tagsüber zu laden. Große Verbraucher wie Batteriefabriken sollen teilweise vom Netz genommen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass ein großes Gaskraftwerk wegen eines Defekts bis Sonntag ausfällt. Wirtschaftsminister István Kapitány bezeichnete die Lage als „absurd“, da die Donau genug Wasser führe, die frühere Regierung aber versäumt habe, die Zuläufe technisch an die absehbar niedrigeren Pegel anzupassen.
Die Ursachen der Misere sind eine anhaltende Dürre und mehrere Hitzewellen in Mitteleuropa. In Ungarn fielen in den vergangenen 90 Tagen 80 bis 130 Millimeter weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. In Budapest sank der Donaupegel auf 23 Zentimeter und unterschritt damit den bisherigen Tiefststand von 2018 um zehn Zentimeter. Der Betreiber von Paks macht zudem die Eintiefung des Flussbetts durch Sedimentrückhalt in Oberlieger-Staustufen sowie den Klimawandel für die verschärfte Situation verantwortlich. Auch Rumänien musste im Kernkraftwerk Cernavodă bereits zwei Reaktoren wegen Kühlwassermangels herunterfahren; die Schifffahrt auf der Donau ist vielerorts zum Erliegen gekommen.
Für die kommenden Tage ist keine Besserung in Sicht. Die ungarische Wasserbehörde rechnet mit weiter sinkenden Pegeln, und die technische Umrüstung der Einlaufbauwerke in Paks wird nach Angaben des Betreibers Jahre in Anspruch nehmen. Bis dahin bleibt das Land auf Notmaßnahmen und die Hoffnung auf ergiebigen Regen angewiesen.
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
Russland projiziert die ungarische Krise als Beweis für die Verwundbarkeit nuklearer Infrastruktur, aber auch als Grund, die Zusammenarbeit mit Moskau aufrechtzuerhalten.
Russland verwendet technische Sprache und offizielle Zitate, um die Situation als handhabbar darzustellen und Kritik an seinen Reaktoren herunterzuspielen.
Russland erwähnt nicht, dass auch andere europäische Länder aufgrund der Dürre ähnliche Probleme haben, und isoliert so den ungarischen Fall.
Südostasien erzählt die Dürre an der Donau durch spektakuläre Bilder und menschliche Geschichten und vermeidet die technische Sprache der Energiekrise.
Es nutzt Fossilfunde und Touristenunfälle, um die Auswirkungen des Klimawandels greifbar zu machen und den Fokus von der Energiepolitik wegzulenken.
Es unterlässt eine vertiefte Analyse der wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen der Abschaltung des Kernkraftwerks und konzentriert sich auf oberflächliche Effekte.
Europa universalisiert die Donau-Krise als kontinentales Problem, indem es die Ereignisse in Ungarn, Rumänien und der Schweiz verknüpft, um die Energieinterdependenz zu demonstrieren.
Es nutzt länderübergreifende Vergleiche und Berichte über Leistungsreduzierungen, um ein Bild systemischer Krise zu schaffen und Notfallmaßnahmen zu legitimieren.
Es unterlässt die Erwähnung der spezifischen Rolle russischer Reaktoren in Paks, um eine Politisierung des Themas zu vermeiden.
Der Atlantik fragmentiert die Krise in zwei getrennte Geschichten: eine über Tourismus und eine über Energie, ohne sie explizit zu verknüpfen.
Er wechselt zwischen der Sprache des humanitären Notfalls (Touristen ohne Nahrung) und der technischen Nuklearsprache und schafft so zwei unterschiedliche Register, die nicht verschmelzen.
Er unterlässt die Analyse der gemeinsamen Ursachen der Dürre und der geopolitischen Implikationen der Abhängigkeit von russischer Kernenergie und lässt die beiden Fäden unverbunden.
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