
Ronaldo bringt Al-Nassr dem Titel näher, Provokationen und Polemik überschatten den Erfolg
Mit einem Kopfball in der 76. Minute hat Cristiano Ronaldo Al-Nassr einen entscheidenden Sieg im saudischen Titelrennen beschert. Der 2:0-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten Al-Ahli im „Al-Awwal Park“ von Riad brachte den Hauptstadtklub nun acht Punkte vor Verfolger Al-Hilal.
Vier Spieltage vor Saisonende sind es nur noch acht Zähler, die dem Team von Trainer Stefano Pioli fehlen, um sich vorzeitig erstmals seit Ronaldos Wechsel in die Wüste Anfang 2023 die Meisterschaft zu sichern. Der 41-jährige Portugiese erzielte seinen 25. Saisontreffer und damit das 970.
Tor seiner Karriere, ehe Kingsley Coman in der Nachspielzeit alles klar machte. Aus Riad betrachtet könnte damit die Ära der sich ständig verändernden Machtverhältnisse in der Saudi Pro League ein vorläufiges Ende finden. Doch der Triumph wurde von einer Reihe bemerkenswerter Nebenschauplätze überlagert, die den pulsierenden, aber auch von Rivalitäten und Empfindlichkeiten geprägten Fußball der Liga beleuchten.
Nach dem Abpfiff entwickelte sich eine verbale Auseinandersetzung zwischen Al-Ahlis türkischem Verteidiger Merih Demiral und Ronaldos Mitspielern, bei der Demiral demonstrativ seine asiatische Champions-League-Medaille in die Höhe hielt und damit auf den zweimaligen Titelgewinn seines Klubs in diesem Wettbewerb anspielte. „Zum ersten Mal liegt eine Champions-League-Medaille in ihrem Stadion“, schrieb er später auf der Plattform X. Ronaldo konterte vor laufender Kamera mit der Geste der fünf ausgestreckten Finger: „Ich habe fünf Champions-League-Titel“, verwies er auf seine vier Erfolge mit Real Madrid und einen mit Manchester United. Aus europäischer Perspektive mag dieser Austausch wie eine Randnotiz erscheinen, doch in der aufstrebenden Fußballnation Saudi-Arabien offenbart er eine tiefere Kluft zwischen denen, die ihre Meriten im etablierten europäischen Fußball erworben haben, und jenen, die die neuen Wettbewerbe der Region als ebenbürtig betrachten.
Der Sieg von Al-Nassr ist indes auch das Resultat eines taktischen Disziplinierungsprozesses. Ronaldo selbst nutzte die Gelegenheit, um sich nach dem Spiel in einem Interview mit dem Sender Thamania gegen Spieler zu wenden, die ständig über Schiedsrichter und die Organisation des Wettbewerbs klagten. „Sie beschweren sich und übertreiben – das schadet dem Ruf der Liga“, sagte der Superstar und spielte damit offenbar auf wiederholte Kritik von Spielern wie Ivan Toney an, der ihm während der Partie laut Gulf News besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden ließ. Man darf gespannt sein, wie sich die aufgeheizte Stimmung auf die verbleibenden Spiele auswirkt.
Al-Nassr hat es nun selbst in der Hand, doch die psychologische Kriegsführung der Konkurrenz dürfte nicht abreißen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Ronaldos erster Titel in Saudi-Arabien tatsächlich das Ende einer langen Durststrecke markiert oder ob die alte Garde noch einmal zuschlagen kann.
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