
Russland ersetzt armenische Lebensmittelimporte durch Lieferungen aus Iran und Türkei
Nach Importstopps für armenische Agrarprodukte diversifiziert Moskau seine Bezugsquellen – mit Folgen für die regionale Handelsdynamik.
Russland hat nach der Verhängung von Einfuhrbeschränkungen für armenische Lebensmittel begonnen, die entstandenen Lücken durch Lieferungen aus anderen Ländern zu füllen. Wie der Leiter der russischen Agraraufsichtsbehörde Rosselchosnadsor, Sergei Dankwert, mitteilte, habe man sich etwa bei Forellenimporten auf den Iran und die Türkei umorientiert. Die Maßnahmen folgen auf eine Reihe von Verboten, die Ende Mai in Kraft traten und zunächst frische Tomaten, Gurken, Paprika, Kräuter und Erdbeeren betrafen. Offiziell begründete Moskau die Schritte mit vermehrten Verstößen gegen phytosanitäre Normen – seit Jahresbeginn seien 181 Fälle registriert worden. Zudem hätten sich einige Lieferanten der Kontrolle entzogen. In der ersten Juniwoche weitete Russland die Restriktionen auf nahezu sämtliches Obst und Gemüse aus, später folgten Fische, Blumen, Mineralwasser und alkoholische Getränke.
Aus armenischer Sicht sind die Exportausfälle schmerzhaft, da die Landwirtschaft einen bedeutenden Wirtschaftszweig darstellt. Beobachter in Jerewan verweisen darauf, dass die russischen Vorwürfe teils pauschal seien und die armenischen Produzenten vor erhebliche Probleme stellten. Die russische Seite hingegen betont, dass man die Lieferantenbasis bewusst verbreitere, um Abhängigkeiten zu vermeiden. „Je mehr Anbieter, desto leichter die Arbeit, denn bei Bezügen aus einem einzigen Land droht ein Mangel“, erklärte Dankwert. Die Neuausrichtung könnte langfristig die Handelsströme in der Region verändern: Während Russland seine Importe aus Iran und der Türkei ausweitet, verliert Armenien einen wichtigen Absatzmarkt.
Für Deutschland und die EU sind die russischen Importrestriktionen ein weiteres Zeichen für die zunehmende Abschottung des russischen Marktes. Zwar betreffen die aktuellen Maßnahmen vor allem Armenien, doch sie zeigen, dass Moskau bereit ist, Handelsbeziehungen auch mit traditionell verbündeten Staaten zu unterbrechen. Die EU beobachtet die Entwicklung mit Sorge, da sie die wirtschaftliche Stabilität im Südkaukasus gefährden könnte. Experten in Brüssel warnen, dass Armenien nun gezwungen sein könnte, neue Absatzwege zu suchen – möglicherweise auch in Richtung Europa. Die russische Strategie, Lieferanten zu diversifizieren, dürfte indes die Position des Iran und der Türkei als Agrarexporteure nach Russland weiter stärken.
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