
Russlands Rückschlag in Mali: Der Fall von Kidal erschüttert Moskaus afrikanische Strategie
Der Verlust der nordmalischen Stadt Kidal an eine Allianz aus Tuareg-Rebellen und Dschihadisten der Gruppe JNIM markiert eine Zäsur für Russlands Engagement in Westafrika. Am vergangenen Wochenende mussten sich rund 400 russische Söldner des Africa Corps unter Vermittlung Algeriens zurückziehen – eine Demütigung für die Militärjunta in Bamako, die sich seit 2020 auf Moskau als Sicherheitsgaranten verlassen hatte. Die Attacke, bei der auch Verteidigungsminister Sadio Camara getötet wurde, legt die Schwäche eines Partners offen, der Frankreich und die UN-Truppen einst verdrängte.
Aus Moskauer Sicht wiegt der Rückschlag doppelt schwer. Die Serie von Niederlagen – Syrien 2024, Venezuela und Iran 2026, nun Mali – nährt Zweifel an der Zuverlässigkeit russischer Unterstützung für angegriffene Regime. Zwar betont der Kreml seine Solidarität, doch die Kapazitäten sind begrenzt: Der Ukrainekrieg bindet Ressourcen, Sanktionen erschweren die Logistik. Beobachter in Peking verfolgen die Entwicklung mit Sorge, da China in der Sahelzone selbst wirtschaftliche Interessen verfolgt und eine Destabilisierung fürchtet.
Für die Staaten der Region steht viel auf dem Spiel. Die Blockade der Hauptstadt Bamako durch die Dschihadisten, die bereits die Versorgung mit Treibstoff und Lebensmitteln lahmlegt, zeigt, wie verwundbar die Regierung ist. Zivilisten, die nicht in die Stadt zurückkehren können, machen ihrem Unmut Luft: „Unsere Armee ist nicht fähig, uns zu schützen“, zitiert die BBC eine Mutter. Die jüngsten Ereignisse könnten die fragile Ordnung im gesamten Sahel gefährden, von Mauretanien bis zum Tschad.
Aus Washingtoner Perspektive bestätigt die Krise die Risiken eines engen Bündnisses mit autoritären Kräften. Die USA befürchten, dass Machtvakuum und Chaos Extremisten neuen Raum bieten – möglicherweise mit Konsequenzen für die Sicherheit Europas. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die in der Vergangenheit Entwicklungs- und Stabilisierungsmissionen im Sahel unterstützten, stellt sich die Frage nach einem neuen Ansatz, der weder auf Moskau noch auf Paris allein setzt.
Die Zukunft wird zeigen, ob Russland trotz der Demütigung an seiner Strategie festhält. Der Führer der Tuareg-Rebellen, Mohamed Elmaouloud Ramadane, forderte den vollständigen Abzug aller russischen Kämpfer. Ob Moskau diesem Druck standhalten kann, ist fraglich. Fest steht: Die Ära der unangefochtenen russischen Einflussnahme in Westafrika ist vorerst beendet.
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