
Sainsbury’s und Heineken warnen vor Belastungen durch den Nahostkonflikt
Die weltweite Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts erreicht nun auch die europäischen Konsumgüterkonzerne. Innerhalb weniger Tage haben sowohl der britische Supermarktriese Sainsbury’s als auch der niederländische Brauereikonzern Heineken vor erheblichen Auswirkungen auf ihre Geschäfte gewarnt. Aus Londoner Perspektive ist die Lage besonders prekär, denn Sainsbury’s-Chef Simon Roberts stellte fest, dass die Kunden seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar noch stärker auf die Lebenshaltungskosten achten. Der Einzelhändler, der nach Tesco der zweitgrößte im Vereinigten Königreich ist, rechnet mit einem Gewinnrückgang, da die gestiegenen Energiepreise und die Inflation die Margen drücken. Roberts betonte, man wolle die Kunden weiterhin mit „bestmöglichem Wert“ versorgen, was freilich angesichts der Kostenexplosion bei Rohstoffen und Logistik zu einer Zerreißprobe werden dürfte.
Aus niederländischer Sicht zeigt sich ein ähnliches Bild. Heineken, der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt, hatte zuletzt noch stärker als erwartete Quartalszahlen vorgelegt, doch das Management stimmt die Investoren nun auf eine „komplexe und volatile“ Marktsituation ein. Die Eskalation im Nahen Osten treibe die Preise für essenzielle Betriebsstoffe wie Brauereibrennstoffe und Glasflaschen in die Höhe, was sich unweigerlich auf die Endverbraucherpreise auswirken werde. Hinzu kommen bereits bestehende Belastungen durch die anhaltende Teuerung, veränderte Trinkgewohnheiten der Verbraucher und US-Zölle. Der Konzern hatte bereits einen Stellenabbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt – ein Indiz dafür, wie tief die Krise in der Branche sitzt.
Für den deutschsprachigen Raum ergeben sich daraus unmittelbare Anschlussfragen. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind sowohl für britische Einzelhändler als auch für niederländische Brauereien wichtige Absatzmärkte. Sollten die Kosten weiter steigen, könnten Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Bier auch hierzulande die Verbraucher treffen, die ohnehin unter der hohen Inflation leiden. Besonders die Brauereiwirtschaft in Bayern und Österreich, die stark auf Energie und Glasflaschen angewiesen ist, dürfte unter Druck geraten. Analysten erwarten, dass die Unternehmen ihre Lieferketten noch stärker regionalisieren werden, um sich gegen geopolitische Schocks zu wappnen.
Der Blick nach vorne bleibt verhalten. Aus Sicht vieler Ökonomen markieren die Warnungen von Sainsbury’s und Heineken lediglich den Auftakt einer Welle von Gewinnwarnungen, die auf die reale Wirtschaft übergreift. Solange der Iran-Konflikt andauert und die Energiepreise auf hohem Niveau verharren, werden Konsumgüterkonzerne in ganz Europa kaum Spielraum haben, die gestiegenen Kosten abzufedern. Die Verbraucher wiederum müssen sich darauf einstellen, dass die Phase des günstigen Einkaufens und des bezahlbaren Bieres vorerst vorbei ist.
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