
Saudi-Arabien verschärft Hajj-Kontrollen: Haftstrafen und Millionenbußgelder angekündigt
Mit ungewöhnlicher Härte geht Riad in diesem Jahr gegen Verstöße während der bevorstehenden Hadsch-Saison vor. Die saudische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde droht Herstellern und Lagerbetreibern, die ohne Lizenz Lebensmittel für Pilger produzieren oder einlagern, mit bis zu zehn Jahren Haft und Geldstrafen von umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro. Parallel dazu verhängt das Innenministerium Bußgelder von bis zu 100.000 Saudi-Riyal gegen jedermann, der Inhaber von Besuchervisa während der Pilgerzeit in Mekka oder den heiligen Stätten beherbergt oder versteckt. Die Strafen vervielfachen sich mit jeder betroffenen Person. Aus saudischer Sicht ist dies eine Null-Toleranz-Politik, um die Sicherheit von mehr als zwei Millionen Pilgern zu gewährleisten – ein Prestigeprojekt des Königshauses, das nach jahrelangen Kapazitätserweiterungen nun auf makellose Abläufe angewiesen ist.
Die Maßnahmen zielen auf zwei neuralgische Punkte: die Lebensmittelhygiene in einem der größten Massenereignisse der Welt und die illegale Einreise von Personen, die ohne gültige Hadsch-Erlaubnis nach Mekka gelangen wollen. Bereits seit dem 19. April ist es allen Bewohnern ohne spezielle Genehmigung untersagt, die Stadt zu betreten. Nur sechs Gruppen dürfen über das Absher-Portal elektronische Einreiseerlaubnisse beantragen, darunter Inhaber des „Premium Residency“-Status, Investoren, Golfstaatsbürger und bestimmte Familienangehörige saudischer Staatsbürger. Beobachter in Washington erkennen darin eine konsequente Fortsetzung der Bemühungen, aus der Wallfahrt eine vollständig reglementierte, digitale Veranstaltung zu machen – ein Modell, das auch für andere Großveranstaltungen Schule machen könnte.
Für Pilger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet dies eine noch stärkere Vorabkontrolle. Wer kein offizielles Hadsch-Visum besitzt, riskiert nicht nur eine Ausweisung, sondern auch die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die ihn beherbergen. Reiseveranstalter sehen sich mit erweiterten Sorgfaltspflichten konfrontiert. In Peking wiederum registriert man die Maßnahmen mit Interesse, da China zunehmend eigene muslimische Pilgerreisen organisiert und die saudische Strenge als Präzedenzfall für die eigene Verwaltung religiöser Massenevents werten könnte. Die saudische Regierung unterstreicht mit diesen Vorschriften ihren Anspruch, die Hadsch nicht nur als religiöses, sondern auch als logistisches und sicherheitspolitisches Vorzeigeprojekt der Vision 2030 zu etablieren. Die zunehmende Digitalisierung des Zutritts – kombiniert mit drakonischen Strafen – dürfte künftig noch weiter verschärft werden, während die internationale Gemeinschaft vor allem darauf achten wird, ob die Balance zwischen Kontrolle und der freien Religionsausübung gewahrt bleibt.
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