
Schengen-Visa für Russen steigen um zehn Prozent – Tourismus dominiert
Trotz politischer Isolationsrhetorik stiegen die Schengen-Visa für Russen 2025 um zehn Prozent – vor allem für touristische Reisen nach Frankreich, Italien und Spanien.
Die Zahl der von den Staaten des Schengen-Raums ausgestellten Visa für russische Staatsbürger ist im vergangenen Jahr um 10,2 Prozent auf rund 620.000 gestiegen. Das geht aus vertraulichen EU-Daten hervor, die dem Portal Euractiv vorliegen. Fast drei Viertel aller Genehmigungen entfielen auf Touristenvisa – mehr als 477.000 Stück. Die Gesamtzahl der Anträge lag mit über 670.000 um acht Prozent höher als im Jahr zuvor. Die Entwicklung offenbart einen wachsenden Widerspruch zwischen der politischen Absicht, Russland nach dem Überfall auf die Ukraine zu isolieren, und der anhaltenden Reiselust der russischen Bevölkerung.
Aus Brüsseler Sicht nährt der Anstieg den inner europäischen Dissens über den Kurs gegenüber Moskau. Während Polen und die baltischen Staaten eine vollständige Visasperre fordern, verzeichnen südeuropäische Länder wie Frankreich, Italien und Spanien den größten Zulauf. Auf diese drei Staaten entfallen drei Viertel aller russischen Anträge. Frankreich verzeichnete mit einem Plus von 23 Prozent den stärksten Anstieg. Die italienischen Seen, die Côte d’Azur und spanische Badeorte sind die bevorzugten Ziele. Aus Moskauer Perspektive zeigt der Trend, dass Europa trotz der Sanktionen ein attraktives Reiseziel bleibt – und dass die bürokratischen Hürden offenbar nicht abschrecken.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz, die als bedeutende Schengen-Mitglieder eigene Visastatistiken führen, wird die Entwicklung mit gemischten Gefühlen registriert. Zwar sind die absoluten Zahlen für Deutschlands Russland-Visa nicht gesondert ausgewiesen, doch die hohe Nachfrage nach den südeuropäischen Ländern deutet darauf hin, dass russische Reisende Kurzstreckenflüge bevorzugen und Länder mit strengeren Kontrollen meiden. Die EU-Kommission betont in einer Stellungnahme, dass die Verfahren weiterhin die Sicherheitsinteressen der Mitgliedsstaaten wahre. Dennoch zeigt die Lücke zwischen politischer Rhetorik und gelebter Praxis, wie schwer eine einheitliche Front gegen Moskau zu wahren ist.
Mit Blick auf die Zukunft zeichnet sich eine ungleiche Entwicklung ab. Die südeuropäischen Volkswirtschaften, die auf Tourismus angewiesen sind, dürften kaum ein Interesse an einer Verschärfung haben. Dem stehen Forderungen aus Osteuropa gegenüber, die Visumfreiheit für Russen ganz auszusetzen und die Vergabepraxis an die Aufenthaltsdauer oder das Reiseverhalten zu knüpfen. Die EU-Kommission wird in den kommenden Monaten über eine Überarbeitung der gemeinsamen Visapolitik beraten. Der Druck aus den Hauptstädten wird vor allem dann steigen, wenn die Zahlen weiter zulegen. Der Bericht stimmt nüchtern: Die Isolierung Russlands bleibt ein unvollendetes Projekt.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyAmazon finanziert privates Gaskraftwerk in Texas – droht größte Einzelemissionsquelle der USA
2 Sprachen · 8 Quellen