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Montag, 27. April 2026

Selbstsuspendierung des Schiedsrichter-Chefs: Die neue Glaubwürdigkeitskrise der Serie A weitet sich aus

Mit der sofortigen Selbstsuspendierung des designatore unico Gianluca Rocchi hat die Krise des italienischen Schiedsrichterwesens am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht. Nur Stunden nachdem die Mailänder Staatsanwaltschaft dem Verantwortlichen für die Ansetzungen in Serie A und B einen Bescheid wegen des Verdachts auf Beteiligung an Sportbetrug zugestellt hatte, trat Rocchi zurück – gefolgt vom VAR-Aufseher Andrea Gervasoni. In einer internen Nachricht an die Schiedsrichter sprach Rocchi von einer „schmerzhaften“ Entscheidung, die er im Einvernehmen mit der Associazione Italiana Arbitri getroffen habe, um dem Gremium ein Arbeiten „in größtmöglicher Ruhe“ zu ermöglichen. Aus Mailänder Perspektive ist dies ein Signal, dass die Ermittlungen tief in die Struktur des Schiedsrichterbetriebs hineinreichen.

Im Zentrum der Vorwürfe steht die mutmaßliche gezielte Ansetzung von Referees, die dem Klub Inter Mailand als „genehm“ galten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Rocchi in mindestens drei Partien der laufenden Spielzeit – darunter Bologna–Inter und das Halbfinale der Coppa Italia – bewusst darauf hingewirkt habe, bestimmte Unparteiische einzusetzen oder von brisanten Begegnungen fernzuhalten. Dass der Verdacht ausgerechnet den designierten Meister trifft, der am Sonntag in Turin mit einem umstrittenen VAR-Handelfmeter in letzter Minute den Ausgleich hinnehmen musste, verleiht der Affäre eine bittere Ironie, die im Stadion schon den Ruf „Dov’è Rocchi?“ provozierte.

Giuseppe Marotta, Präsident von Inter, wies noch vor dem Spiel in Turin jede Nähe zu den Vorgängen zurück. Der Klub habe „weder genehme noch unangenehme Schiedsrichter“ und stets mit „maximaler Korrektheit“ gehandelt – man habe sogar durch eklatante Fehlentscheidungen wie einen nicht gegebenen Elfmeter gegen Rom Nachteile erfahren. Aus Turiner Sicht hingegen nährte der Umstand, dass kein einziger Nerazzurro offiziell beschuldigt wird, Spekulationen über eine strukturelle Nähe, die sich strafrechtlich schwer fassen lässt, aber das Gerechtigkeitsgefühl untergräbt. Die Liga selbst fordert unterdessen eine „Tabula rasa“ und einen kompletten Neuanfang im Schiedsrichterwesen.

Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf, der an die düsteren Tage des Calciopoli-Skandals erinnert. Der Ex-Schiedsrichterassistent Domenico Rocca, dessen Anzeige das aktuelle Verfahren ins Rollen brachte – die Staatsanwaltschaft ermittelte jedoch schon zuvor –, sprach von einem System, das Regularien gezielt verzerre, um eigene Leute zu schützen. Sein Satz „Chi di spada ferisce, di spada perisce“ deutet auf eine tiefe Zerwürfnis innerhalb des Schiedsrichterlagers hin, die sich an der zwischenzeitlichen Suspendierung des AIA-Präsidenten Zappi und der interimistischen Führung durch Vizepräsident Massini weiter entzündet hat. Roccas Vorwürfe waren zunächst von der Sportjustiz archiviert worden, doch die neuen strafrechtlichen Erkenntnisse könnten zu einer Wiederaufnahme des sportrechtlichen Verfahrens führen – ähnlich wie im Fall der Juventus-Bilanzkorrekturen.

Für die deutschsprachige Fußballgemeinschaft ist der Fall eine erneute Mahnung, wie verletzlich die Integrität des Spitzenfußballs bleibt. Während die italienische Nationalmannschaft bereits zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst und Klubs in den europäischen Wettbewerben früh scheiterten, droht nun eine innere Erosion, die das Vertrauen in die Meisterschaft nachhaltig beschädigt. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, stünde nicht nur die Gültigkeit einzelner Resultate infrage, sondern die gesamte Glaubwürdigkeit eines Systems, das nach Calciopoli Reformen versprach, aber offenbar nie eine echte Autonomie der Unparteiischen erreichte. Die für den 30. April anberaumten Vernehmungen werden zeigen, ob aus Indizien Beweise werden – und ob die italienische Justiz der Chronist einer nächsten, bitteren Etappe im Niedergang eines einstigen Fußballparadieses wird.

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Montag, 27. April 2026

Selbstsuspendierung des Schiedsrichter-Chefs: Die neue Glaubwürdigkeitskrise der Serie A weitet sich aus

Mit der sofortigen Selbstsuspendierung des designatore unico Gianluca Rocchi hat die Krise des italienischen Schiedsrichterwesens am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht. Nur Stunden nachdem die Mailänder Staatsanwaltschaft dem Verantwortlichen für die Ansetzungen in Serie A und B einen Bescheid wegen des Verdachts auf Beteiligung an Sportbetrug zugestellt hatte, trat Rocchi zurück – gefolgt vom VAR-Aufseher Andrea Gervasoni. In einer internen Nachricht an die Schiedsrichter sprach Rocchi von einer „schmerzhaften“ Entscheidung, die er im Einvernehmen mit der Associazione Italiana Arbitri getroffen habe, um dem Gremium ein Arbeiten „in größtmöglicher Ruhe“ zu ermöglichen. Aus Mailänder Perspektive ist dies ein Signal, dass die Ermittlungen tief in die Struktur des Schiedsrichterbetriebs hineinreichen.

Im Zentrum der Vorwürfe steht die mutmaßliche gezielte Ansetzung von Referees, die dem Klub Inter Mailand als „genehm“ galten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Rocchi in mindestens drei Partien der laufenden Spielzeit – darunter Bologna–Inter und das Halbfinale der Coppa Italia – bewusst darauf hingewirkt habe, bestimmte Unparteiische einzusetzen oder von brisanten Begegnungen fernzuhalten. Dass der Verdacht ausgerechnet den designierten Meister trifft, der am Sonntag in Turin mit einem umstrittenen VAR-Handelfmeter in letzter Minute den Ausgleich hinnehmen musste, verleiht der Affäre eine bittere Ironie, die im Stadion schon den Ruf „Dov’è Rocchi?“ provozierte.

Giuseppe Marotta, Präsident von Inter, wies noch vor dem Spiel in Turin jede Nähe zu den Vorgängen zurück. Der Klub habe „weder genehme noch unangenehme Schiedsrichter“ und stets mit „maximaler Korrektheit“ gehandelt – man habe sogar durch eklatante Fehlentscheidungen wie einen nicht gegebenen Elfmeter gegen Rom Nachteile erfahren. Aus Turiner Sicht hingegen nährte der Umstand, dass kein einziger Nerazzurro offiziell beschuldigt wird, Spekulationen über eine strukturelle Nähe, die sich strafrechtlich schwer fassen lässt, aber das Gerechtigkeitsgefühl untergräbt. Die Liga selbst fordert unterdessen eine „Tabula rasa“ und einen kompletten Neuanfang im Schiedsrichterwesen.

Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf, der an die düsteren Tage des Calciopoli-Skandals erinnert. Der Ex-Schiedsrichterassistent Domenico Rocca, dessen Anzeige das aktuelle Verfahren ins Rollen brachte – die Staatsanwaltschaft ermittelte jedoch schon zuvor –, sprach von einem System, das Regularien gezielt verzerre, um eigene Leute zu schützen. Sein Satz „Chi di spada ferisce, di spada perisce“ deutet auf eine tiefe Zerwürfnis innerhalb des Schiedsrichterlagers hin, die sich an der zwischenzeitlichen Suspendierung des AIA-Präsidenten Zappi und der interimistischen Führung durch Vizepräsident Massini weiter entzündet hat. Roccas Vorwürfe waren zunächst von der Sportjustiz archiviert worden, doch die neuen strafrechtlichen Erkenntnisse könnten zu einer Wiederaufnahme des sportrechtlichen Verfahrens führen – ähnlich wie im Fall der Juventus-Bilanzkorrekturen.

Für die deutschsprachige Fußballgemeinschaft ist der Fall eine erneute Mahnung, wie verletzlich die Integrität des Spitzenfußballs bleibt. Während die italienische Nationalmannschaft bereits zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst und Klubs in den europäischen Wettbewerben früh scheiterten, droht nun eine innere Erosion, die das Vertrauen in die Meisterschaft nachhaltig beschädigt. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, stünde nicht nur die Gültigkeit einzelner Resultate infrage, sondern die gesamte Glaubwürdigkeit eines Systems, das nach Calciopoli Reformen versprach, aber offenbar nie eine echte Autonomie der Unparteiischen erreichte. Die für den 30. April anberaumten Vernehmungen werden zeigen, ob aus Indizien Beweise werden – und ob die italienische Justiz der Chronist einer nächsten, bitteren Etappe im Niedergang eines einstigen Fußballparadieses wird.

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