
Skandal um kostenlose Schulmahlzeiten in Indonesien: Neuer Verdächtiger im Korruptionsfall MBG
Die indonesische Generalstaatsanwaltschaft hat einen vierten Verdächtigen im Korruptionsskandal um das Programm für kostenlose, nahrhafte Mahlzeiten festgenommen, während die Regierung Reformen in Rekordzeit durchsetzen will.
Die indonesische Generalstaatsanwaltschaft (Kejagung) hat einen weiteren mutmaßlichen Täter im Korruptionsskandal um das Programm Makan Bergizi Gratis (MBG – Kostenlose nahrhafte Mahlzeiten) festgesetzt. Der Geschäftsmann Asep Yusuf Somantri (AYS) soll auf Bitten des ehemaligen Vize-Chefs der Nationalen Ernährungsbehörde (BGN), Sony Sonjaya, Partner für das Programm gesucht und dabei das Verifizierungsverfahren manipuliert haben. Laut Ermittlern erhielt AYS Zugang zu internen Informationen über freie Küchenstandorte und konnte so die Auswahl der Dienstleister steuern. Im Gegenzug soll er Zahlungen an Sonjaya geleistet haben. Damit steigt die Zahl der Beschuldigten auf vier; zuvor waren bereits Sonjaya und zwei weitere frühere BGN-Führungskräfte verhaftet worden.
Das MBG-Programm, das Millionen indonesischer Schulkinder mit kostenlosen Mahlzeiten versorgen soll, gilt als eines der prestigeträchtigen sozialpolitischen Vorhaben der Regierung Prabowo. Die jüngsten Enthüllungen haben jedoch erhebliche Mängel in der Verwaltung offengelegt. So wird auch ein umstrittenes Beschaffungsprojekt für Elektromotorräder im Wert von rund einer Billion Indonesischer Rupiah (etwa 57 Millionen Euro) fortgesetzt, obwohl es Hinweise auf überhöhte Preise und Korruption gibt. Der Präsidialamtschef erklärte, die Bestellung sei bereits vom alten BGN-Management bezahlt worden, und die Montage der über 20.000 Fahrzeuge laufe noch. Kritiker sehen darin ein Beispiel für die Verschleppung notwendiger Korrekturen.
Die politische Führung in Jakarta bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Präsident Prabowo ernannte eine neue BGN-Chefin und setzte eine Frist von einem Monat für eine umfassende Reform der Programmverwaltung. Betroffene Versorgungseinheiten (SPPG) sollen geschlossen, das Verifizierungssystem für Partner überarbeitet und die Verteilung der Mahlzeiten neu ausgerichtet werden. Insbesondere prüft das Koordinierungsministerium für Ernährung, die Essensrationen für Eliteschulen zugunsten von unterversorgten Regionen im äußersten, entlegensten und hintersten Gebiet (3T) umzuverteilen. Diese Kurskorrektur wird von Beobachtern in Jakarta grundsätzlich begrüßt, wirft jedoch Fragen nach der kurzfristigen Umsetzbarkeit auf.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Bitte der Regierung an den bekannten Koch Arnold Poernomo, an der Ausarbeitung neuer technischer Richtlinien mitzuwirken. Poernomo reagierte zurückhaltend und betonte, es gehe ihm vor allem um die Verbesserung der Ernährungsqualität, nicht um öffentliche Profilierung. Gleichzeitig wies der Vorsitzende des Ehrenrats des Parlaments, Nazaruddin Dek Gam, Darstellungen zurück, die ihn mit dem Skandal in Verbindung brachten. Solche Reaktionen zeigen, wie angespannt die politische Stimmung in Jakarta ist.
Aus regionaler Perspektive bleibt die Stabilität des Programms entscheidend für das Ansehen der indonesischen Regierung – auch mit Blick auf internationale Partner. Deutschland und die Europäische Union unterstützen ähnliche Ernährungsinitiativen in Südostasien und beobachten genau, ob die nun angekündigten Reformen tatsächlich greifen. Sollte es gelingen, die Korruption einzudämmen und die Verwaltung zu professionalisieren, könnte das MBG-Programm zu einem Modell für andere Entwicklungsländer werden. Andernfalls droht ein Vertrauensverlust, der weit über Indonesien hinausstrahlt.
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