
Skandinavische Phalanx beim ESC: Vier Nordlichter im Finale – Schweiz gescheitert
Nach dem zweiten Halbfinale stehen alle Finalisten fest: Dänemark und Norwegen folgen Schweden und Finnland ins Finale. Die Schweiz und Luxemburg scheiden aus.
Der Eurovision Song Contest 2025 in Wien zeichnet ein klares geografisches Bild: Skandinavien stellt mit Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland ein Viertel des Finalfeldes. Nachdem am Donnerstagabend in der Wiener Stadthalle die letzten zehn Finalisten ermittelt wurden, ist der Norden der große Gewinner des zweiten Halbfinals. Der dänische Sänger Søren Torpegaard Lund, der mit seiner Ballade „Før vi går hjem“ zu den Favoriten zählt, erlebte den Einzug als Nervenkrimi. „Ich schrie so laut, dass ich keine Luft mehr bekam“, sagte er hinterher. Dabei musste er kurz vor dem Auftritt eine Textzeile entschärfen: Das vulgäre „fucking dum“ wurde gestrichen – eine Anpassung an die ESC-Regularien, die in der skandinavischen Presse als überflüssig kritisiert wurde.
Neben den Nordlichtern sicherten sich auch Australien, Bulgarien und die Ukraine Finalplätze; die Schweiz und Luxemburg schieden hingegen aus. Aus Wiener Sicht ist das Ausscheiden der Eidgenossen eine Enttäuschung, zumal das Nachbarland mit einem ambitionierten Beitrag angetreten war. Bulgariens Beitrag „Bangaranga“ mit der Sängerin Dara überzeugte vor allem durch eine aufwendige Choreografie des Schweden Fredrik „Benke“ Rydman – ein weiterer Beleg für die prägende Rolle schwedischer Kreativschaffender im internationalen Musikgeschäft. Die Australierin Delta Goodrem trat mit einem goldglitzernden Flügel auf und setzte damit einen optischen Höhepunkt.
Die Moderation des Abends geriet unfreiwillig komisch. Victoria Swarovski und Michael Ostrowski persiflierten in einem Einspielfilm den Auftritt des Vorjahressiegers JJ, scheiterten aber spektakulär: Ein simulierter Schiffsuntergang mit Leuchtraketen und einstürzendem Kajütendach ließ die Show ausgerechnet dort ins Lächerliche kippen, wo sie mit Ironie glänzen wollte. Für das deutschsprachige Publikum von besonderem Interesse: Österreich als Gastgeber tritt mit Cosmó und dem Lied „Tanzschein“ als letzter Act auf, Deutschland ist gesetzt und eröffnet das Finale nach Dänemark. Die schwedische Vertreterin Felicia laboriert derweil an den Folgen ihres Halbfinalauftritts – sie hat ihre Stimme verloren und alle Interviews abgesagt.
Der Blick auf das Finale am Samstag lässt ein offenes Rennen erwarten. Während Dänemark und Finnland als Favoriten gelten, könnte die bulgarische Nummer mit ihrem schwedischen Einschlag für eine Überraschung sorgen. Australien bleibt der ewige Außenseiter aus Übersee. Die Dominanz des Nordens ist jedenfalls unübersehbar – ein Phänomen, das in Wien und an den deutschen Barhintergründen gleichermaßen registriert wird.
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