
Smartphones als Geburtenkiller? Forscher sehen Zusammenhang mit sinkender Fertilität
Neue Studien aus den USA und Australien legen nahe, dass die Verbreitung von Smartphones maßgeblich zum Geburtenrückgang beigetragen hat.
Die Geburtenrate in den Industrienationen sinkt seit Jahrzehnten, doch eine neue These rückt einen unerwarteten Verursacher ins Zentrum der Debatte: das Smartphone. Eine Studie der Middlebury College-Ökonomin Caitlin Myers kommt zu dem Ergebnis, dass die Einführung des iPhones im Jahr 2007 zwischen 33 und 52 Prozent des Rückgangs der US-Fertilitätsrate erklären könnte. Die Gründe liegen in der tiefgreifenden sozialen Wirkung eines Geräts, das die Menschen nicht nur permanent mit dem Internet verbindet, sondern auch die Art und Weise verändert hat, wie sie miteinander interagieren – oder ob sie überhaupt noch Kontakt suchen. Aus amerikanischer Perspektive erscheint der Zeitpunkt der Trendwende auffällig: Der langsame Niedergang der Geburtenzahlen beschleunigte sich genau in dem Moment, als das erste iPhone auf den Markt kam und die mobile Breitbandnutzung explosionsartig zunahm.
Auch in Australien zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Fertilitätsrate fiel von 2,02 Kindern pro Frau im Jahr 2008 auf einen historischen Tiefstand von 1,48 im Jahr 2024 – ein Rückgang um 25 Prozent. Die Korrelation mit der Smartphone-Verbreitung ist auch hier unübersehbar. Beobachter in Canberra verweisen darauf, dass die Effekte der niedrigen Geburtenrate bislang durch Zuwanderung abgefedert wurden, langfristig aber die Gesellschaft und Wirtschaft belasten werden. Die Frage, ob die Liebe zum iPhone stärker sei als der Kinderwunsch, wird in der australischen Debatte zunehmend ernsthaft diskutiert.
Die Forschungsergebnisse reihen sich ein in eine wachsende Zahl von Studien, die die negativen Auswirkungen von Smartphones auf die psychische Gesundheit und soziale Beziehungen belegen. Aus europäischer Sicht, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sind die Befunde alarmierend: Auch hier sind die Geburtenraten rückläufig, und die Smartphone-Nutzung ist allgegenwärtig. Experten warnen davor, dass die ständige Verfügbarkeit von Unterhaltung und sozialen Medien die Bereitschaft verringern könnte, sich auf die Herausforderungen der Elternschaft einzulassen. Die These vom Smartphone als „Geburtenkiller“ mag überspitzt erscheinen, doch die Datenlage zwingt dazu, den Einfluss digitaler Technologien auf die Familienplanung ernst zu nehmen.
Die Debatte um die Ursachen des Geburtenrückgangs wird sich künftig wohl nicht mehr allein auf wirtschaftliche Faktoren oder veränderte Einstellungen zur Elternschaft konzentrieren. Die Rolle der Technologie, insbesondere des Smartphones, rückt ins Zentrum der Analyse. Für die Politik in den deutschsprachigen Ländern bedeutet dies, dass Maßnahmen zur Förderung der Geburtenrate möglicherweise auch eine kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Durchdringung des Alltags erfordern. Die Frage, ob wir unsere Geräte mehr lieben als Kinder, mag provokativ sein – sie verdient jedoch eine ernsthafte Antwort.
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