
Stan Wawrinka nimmt unter Tränen Abschied von Roland Garros
Der Schweizer Altmeister verliert sein letztes Spiel in Paris gegen Jesper De Jong, erhält eine bewegende Ehrung und blickt auf zwei Jahrzehnte Grand-Slam-Geschichte zurück. Derweil gilt Jannik Sinner als haushoher Favorit.
Ein letzter Lob, der über seinen Kopf hinweg ins Feld segelte – das war der Schlusspunkt einer Ära. Stan Wawrinka, der Champion von 2015, verlor am Pfingstmontag sein erstes und letztes Match bei seiner 21. Teilnahme an den French Open gegen den niederländischen Lucky Loser Jesper De Jong in vier Sätzen. Nach dem verlorenen Ballwechsel brandete minutenlanger Applaus auf dem Court Simonne-Mathieu auf, und der 41-jährige Romand konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. «Ich würde hier lieber nicht Adieu sagen», stammelte er bei der anschliessenden Zeremonie, während ihm Turnierdirektorin Amélie Mauresmo eine Erinnerungstrophäe überreichte. Der emotionale Tribut, verstärkt durch Videobotschaften von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic, verwandelte eine Erstrundenniederlage in einen feierlichen Höhepunkt der Tennisgeschichte.
Aus Schweizer Sicht war dieser Tag von tiefer Wehmut geprägt, aber auch von einem gewissen Stolz. In der Neuen Zürcher Zeitung und im Tages-Anzeiger wurde Wawrinkas Rekord in Roland Garros gewürdigt – der Triumph von 2015, zwei weitere Endspiele, Halbfinal- und Viertelfinalteilnahmen –, eine Bilanz, die ihn lange im Schatten von Roger Federer zum unverzichtbaren Rückgrat des nationalen Tennis machte. Der späte Karriereabschnitt und die Verletzungsjahre liessen die Effizienz des schweren Schlags schwinden; gegen De Jong agierte er zu Beginn zu wenig druckvoll. Dennoch war die Zuneigung des Publikums ungebrochen, und die grossen Drei der Tenniswelt zollten ihm in persönlichen Grussbotschaften Respekt. Zeitgleich sorgten die Schweizerinnen Teichmann, Bandecchi und Golubic mit Erstrunden-Erfolgen für positive Nachrichten – ein Fingerzeig, dass die Romandie zwar einen Fixstern verliert, aber nicht in der Talente-Lücke versinkt.
Aus französischer Perspektive, wie Le Figaro notierte, hätte der Abschied einen grösseren Schauplatz verdient gehabt, und doch erwies sich der intime Rahmen des Simonne-Mathieu als akustischer Verstärker einer tiefen Verbundenheit. «Ich habe eine lustige Anekdote: Er spielte schon gegen meinen Coach, als ich noch Balljunge war», wurde ein junger Kollege zitiert – ein Hinweis darauf, wie sehr Wawrinkas Karriere Generationen überbrückt. Die argentinische Zeitung Clarín hob jenen finalen Ball hervor, der symbolträchtig über den Kopf des Schweizers hinwegflog, und bezeichnete den Abschied als emotionalen Tribut an den «Stan The Man», der stets mehr kämpfte, als sein Palmarès vermuten liess. Der internationale Tenniszirkus verneigt sich vor einem Spieler, der in Paris zur Legende reifte.
Für den weiteren Turnierverlauf richtet sich der Blick nach vorne: Aus Washingtoner Beobachtersicht, namentlich bei Forbes, wird Jannik Sinner als schwerster Favorit bei einem Grand Slam seit Rafael Nadal 2009 gehandelt. Der Italiener, mit einer Quote von -275 ausgestattet, profitiert vom Fehlen von Carlos Alcaraz und strebt in Paris den Karriere-Grand-Slam sowie den «Golden Slam» an. «Er ist vielleicht in der Form seines Lebens, und ohne Carlos erhöhen sich seine Chancen noch», bestätigte Djokovic. Wawrinkas Abgang ist damit nicht nur das Ende einer Schweizer Karriere, sondern auch ein Symptom des fortschreitenden Generationenwechsels. Roland Garros verliert einen seiner letzten grossen Romantiker, während Sinner die Statistik in eine neue, kalte Dominanz zu überführen droht. Die Zukunft liegt in den Händen der Jungen – das war an diesem heissen Pfingstmontag auf dem Court Simonne-Mathieu so deutlich zu spüren wie kaum je zuvor.
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| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Die lateinamerikanische Presse inszeniert Wawrinkas Abschied als wehmütige, liebevolle Hommage, bei der selbst der letzte Ballwechsel – ein Ballon, der übers Feld schwebt – zum Symbol einer romantischen Karriere wird. Der Sieger von 2015 erhält Videobotschaften der Größten, und die Erzählung krönt ihn zum Underdog, der Federer die Show gestohlen hat, und macht die Niederlage zu einem letzten Fest.
Die kontinentaleuropäische Presse inszeniert Wawrinkas Abgang als tränenreiche, würdige Zeremonie: Der Routinier erhält eine Trophäe von Mauresmo und Videobotschaften der drei Großen, die er so oft herausgefordert hat. Die Erzählung betont den spät erblühten 'anderen Schweizer', der drei Grand Slams gewann und seinen Abschied zu einem Triumph der Anerkennung macht.
Die atlantische Presse handelt Wawrinkas Abschied kurz ab und dreht sich fast ganz um Sinners Dominanz als -275-Favorit – den stärksten bei einem Major seit 2009. Der emotionale Abgang des Schweizers wird zur Randnotiz in einer von Wettquoten und Golden-Slam-Jagd getriebenen Geschichte, die mit kühler, zahlenorientierter Distanz erzählt wird.
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