
Taiwans Präsident trickst China aus: Überraschungsbesuch in Eswatini erzürnt Peking
Mit einer diplomatischen Finte hat Taiwans Staatspräsident Lai Ching-te die Blockadepolitik Pekings unterlaufen. Ohne Vorankündigung landete er am Samstag im afrikanischen Königreich Eswatini, dem einzigen verbliebenen diplomatischen Partner Taiwans auf dem Kontinent. Peking, das die demokratisch regierte Insel als abtrünnige Provinz betrachtet, reagierte umgehend mit ungewöhnlich scharfer Rhetorik: Der taiwanesische Präsident sei eine „Ratte“, die in einer „Farce“ über die Bühne laufe – ein Ton, der selbst im rauen Klima der sino-taiwanesischen Konfrontation als Ausrutscher gilt.
Dem Überraschungsbesuch war ein langer diplomatischer Schattenkampf vorausgegangen. Ursprünglich für den 22. April geplant, musste Lai die Reise verschieben, nachdem China bei den Seychellen, Mauritius und Madagaskar interveniert hatte. Die drei Inselstaaten entzogen Taiwans Maschine überraschend die Überflugrechte – „unter intensivem Druck Pekings“, wie es aus Taipeh hieß. Erst der Umweg über ein Flugzeug der eswatinischen Regierung ermöglichte schließlich die Landung in Mbabane. Aus Sicht Pekings ein Trick, der die Souveränität Chinas missachte; aus Sicht Taiwans ein legitimer Akt internationaler Selbstbehauptung.
Lai selbst gab sich vor König Mswati III. demonstrativ entschlossen: Taiwan sei eine unabhängige Nation mit 23 Millionen Bürgern, die ein Recht auf globale Teilhabe habe – kein Land könne dies unterbinden. Die chinesische Führung hingegen wertet die Reise als Provokation und als Versuch, die Ein-China-Politik zu untergraben, die von den meisten Staaten der Welt anerkannt wird. Beobachter in Peking sehen darin ein weiteres Zeichen für Lais konfrontativen Kurs, der die roten Linien des Nachbarn bewusst überschreite.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz stellt sich die Frage nach der Balance zwischen wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking und der Unterstützung demokratischer Selbstbestimmung. Die EU bekennt sich offiziell zur Ein-China-Politik, pflegt aber informelle Kontakte mit Taipeh. Lais Coup in Eswatini dürfte die Debatte über eine eigenständigere Taiwan-Politik neu entfachen – gerade in Berlin und Wien, wo man um chinesische Sanktionen fürchtet. Zugleich zeigt der Fall, wie China zunehmend bereit ist, seine diplomatische Reichweite mit harten Mitteln durchzusetzen, selbst in entlegenen Regionen.
Der Besuch in Eswatini ist mehr als eine symbolische Geste. Er unterstreicht Taiwans Kampf um internationale Sichtbarkeit in einer Zeit, in der Peking die Schrauben immer fester anzieht. Die Inselrepublik unterhält nur noch zwölf formelle diplomatische Beziehungen, der Verlust Eswatinis wäre ein schwerer Schlag. Vor diesem Hintergrund bleibt abzuwarten, ob Lai auf weitere Überraschungsreisen setzen wird – ein riskantes Spiel, bei dem Peking zu noch drastischeren Gegenmaßnahmen greifen könnte.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyAmazon finanziert privates Gaskraftwerk in Texas – droht größte Einzelemissionsquelle der USA
2 Sprachen · 8 Quellen