
Tarantino in Wales, Ortega als künstliche Freundin: Kinoprojekte jenseits der Erwartung
Während Quentin Tarantino und Kylie Minogue in einem walisischen Küstenort eine Beerdigungsszene drehen, kündigen Studios neue Filme mit Jenna Ortega, Timothée Chalamet und Selena Gomez an.
In der Stille einer Kirche im südwalisischen Port Talbot, einem Ort, der eher für seine Stahlwerke als für Filmkulissen bekannt ist, standen sich kürzlich zwei unerwartete Gesichter gegenüber: der amerikanische Regisseur und Gelegenheitsschauspieler Quentin Tarantino und die australische Sängerin Kylie Minogue. Sie probten eine Beerdigungsszene für ein neues Projekt des walisischen Regisseurs Jamie Adams, wie lokale Medien übereinstimmend berichteten. Die Aufnahmen, die in sozialen Netzwerken kursierten, zeigen die beiden in gedämpfter Trauerpose – ein Bild, das kaum weiter entfernt sein könnte von den grellen Pop-Welten, in denen Minogue sonst zu Hause ist, oder von der wortgewaltigen Filmsprache, für die Tarantino als Regisseur steht.
Das noch titellose Werk, das inzwischen von amerikanischen Branchenblättern als „Tangled Up in Blue“ geführt wird, versammelt eine Besetzung, die auf den ersten Blick wie eine Laune wirkt, tatsächlich aber eine Fortsetzung einer bereits erprobten Zusammenarbeit ist. Tarantino und Adams hatten zuvor bei „Only What We Carry“ kooperiert, einem Film, der Anfang Juni beim Tribeca Festival in New York uraufgeführt wurde und in dem auch Simon Pegg und Charlotte Gainsbourg auftraten. Für die neue Produktion, die von der New Yorker Firma Visor Entertainment produziert wird, sind zudem Jason Isaacs, Allison Williams, Sofia Boutella und der Rapper RZA angekündigt. Aus britischer Perspektive unterstreicht die Wahl von Port Talbot als Drehort eine stille Verlagerung internationaler Produktionen in die walisische Peripherie, die in den vergangenen Jahren mit steuerlichen Anreizen und landschaftlicher Vielfalt punktet.
Während Tarantino sich in Wales vor der Kamera versucht, rückt in Hollywood eine andere ungewöhnliche Rollenwahl ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Jenna Ortega, die durch düstere Figuren wie Wednesday Addams bekannt wurde, übernimmt in Taika Waititis Adaption von Kazuo Ishiguros Roman „Klara und die Sonne“ die Titelrolle einer künstlichen Freundin. Der erste Trailer, der kürzlich veröffentlicht wurde, zeigt Ortega als Klara, ein Wesen von programmierter Unschuld, das einer Jugendlichen namens Josie – gespielt von Mia Tharia – zur Seite gestellt wird. Amy Adams verkörpert die Mutter in einem Familiendrama, das Ishiguros literarische Reflexion über Einsamkeit und die Möglichkeit echter Verbindung zwischen Mensch und Maschine in eine bildstarke Science-Fiction-Erzählung übersetzt. Ein offizieller Starttermin steht noch aus, doch die spanische Presse geht von einem Kinostart vor Ende 2026 aus.
Ebenfalls jenseits des Gewohnten bewegt sich die Ankündigung des Animationsstudios Illumination, das mit „Not Alone“ für April 2027 ein extraterrestrisches Abenteuer plant. Timothée Chalamet und Selena Gomez, die bereits in Woody Allens „Ein regnerischer Tag in New York“ ein Leinwandpaar gaben, leihen darin einem schüchternen Raketenmechaniker und einer brillanten Astrobotanikerin ihre Stimmen. Die Handlung, die amerikanische Branchenmedien skizzieren, kreist um drei winzige, undisziplinierte Aliens, die sich in das Leben der beiden Menschen flüchten und ein pflanzengetriebenes Raumschiff als Heimweg nutzen wollen. Dass Chalamet und Gomez nach einem von Kritikern zwiespältig aufgenommenen Film erneut gemeinsam vor das Publikum treten, verleiht dem Projekt eine Note von Kontinuität, die in der schnelllebigen Animationsbranche selten ist.
So stehen diese drei Produktionen – das walisische Independent-Drama, die japanisch-britisch geprägte Romanverfilmung und die amerikanische Animationskomödie – für eine Kinolandschaft, in der die Grenzen zwischen Schauspiel, Musik und Regie durchlässiger werden. Während Tarantino in einer Kirche in Port Talbot den Trauernden gibt, blickt Jenna Ortega als Klara mit großen, programmierten Augen in eine ungewisse Zukunft, und in den Tonstudios von Illumination entsteht eine Welt, in der Pflanzen Raketen antreiben. Es sind Bilder, die weniger auf spektakuläre Effekte setzen als auf die leise Irritation vertrauter Gesichter in unvertrauten Rollen.
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| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
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