
Trotz alter Alkoholvergehen und neuer Vorwürfe hält Trump an FBI-Chef Patel fest
Ein alter Brief aus dem Jahr 2005, der nun an die Öffentlichkeit gelangt ist, setzt den Direktor der amerikanischen Bundespolizei FBI, Kash Patel, weiter unter Druck. In dem Schreiben, das Patel im Zuge seiner Bewerbung um die Anwaltszulassung in Florida verfasste, räumte er zwei alkoholbedingte Festnahmen ein: einmal wegen öffentlicher Trunkenheit bei einem College-Basketballspiel, ein anderes Mal wegen öffentlichen Urinierens in New York City. Der Fund wirft ein Schlaglicht auf die Gegenwart, denn Patel sieht sich seit Tagen mit Berichten konfrontiert, die ihm übermäßigen Alkoholkonsum und häufige Abwesenheit im Amt vorwerfen.
Die jüngste Enthüllung, die das Magazin The Intercept aus Personalakten der Strafverteidigerbehörde von Miami-Dade zutage förderte, kommt zu einem für Patel ungelegenen Zeitpunkt. Erst vor einer Woche hatte das Magazin The Atlantic unter Berufung auf FBI-interne Quellen geschildert, Kollegen seien alarmiert über Patels Trinkverhalten und darüber, dass er wiederholt nicht an seinem Arbeitsplatz erschien. Patel reagierte mit einer Verleumdungsklage in Höhe von 250 Millionen Dollar gegen das Magazin und die Autorin sowie mit scharfen Dementis. Seine Sprecherin bezeichnete die Berichte als „Angriff“ und „Ablenkung“ von der Arbeit des FBI.
Aus dem Weißen Haus kam nun jedoch Rückendeckung. Die Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte, Präsident Donald Trump vertraue Patel und dem gesamten Team des FBI weiterhin. Die Kriminalitätsraten seien während der vergangenen anderthalb Jahre deutlich gesunken – eine Leistung, für die der Präsident dankbar sei. Tatsächlich bindet Trump enge Vertraute in wichtigen Sicherheitspositionen nicht selten auch dann an sich, wenn sie unter öffentlichem Druck stehen. Patel, der zuvor unter anderem als Berater im Nationalen Sicherheitsrat und als Stabschef im Verteidigungsministerium diente, zählt zum engeren Kreis loyaler Gefolgsleute.
Der Inhalt des nun aufgetauchten Briefes ist delikat. Patel schilderte, er sei als Minderjähriger während seines Studiums in Virginia wegen öffentlicher Trunkenheit festgenommen worden. Später, als Jurastudent in New York, folgte die zweite Festnahme, weil er nach einem Barbesuch auf offener Straße urinierte. Er betonte damals, diese Vorfälle seien nicht repräsentativ für sein übliches Verhalten und räumte sie ein, wie es sein damaliger Arbeitgeber verlangte.
In europäischen Hauptstädten registriert man die Vorgänge mit Sorge. Für deutsche, österreichische und schweizerische Sicherheitsbehörden ist das FBI ein unentbehrlicher Partner im Kampf gegen Terrorismus, Cyberkriminalität und Spionage. Ein FBI-Direktor, dessen Urteilsvermögen und Führungskraft durch mögliche Alkoholprobleme infrage stehen, könnte die transatlantische Vertrauensbasis gefährden. Auch wenn die genannten Verfehlungen Jahrzehnte zurückliegen, nähren sie in Kombination mit den aktuellen Vorwürfen Zweifel an der persönlichen Stabilität des obersten Strafverfolgers der Vereinigten Staaten.
Bislang hält Trump unbeirrt an Patel fest. Doch die Vorwürfe reihen sich ein in eine Serie von Negativschlagzeilen – von umstrittenen Luxusflügen auf Staatskosten bis zu einem missglückten Einloggversuch ins FBI-System, der für Spott sorgte. Sollten weitere Details ans Licht kommen oder sich der Eindruck verfestigen, dass persönliche Schwächen die Führung der wichtigsten Sicherheitsbehörde beeinträchtigen, könnte selbst die Loyalität des Präsidenten an ihre Grenzen stoßen. Für Europas Sicherheitsarchitektur wäre dies kein unbedeutendes Signal: Washingtons innerer Zustand bleibt ein Faktor der internationalen Stabilität.
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