
Trump kehrt um: Nach Mythos-Panik wird KI-Entwicklung nun staatlich geprüft
Die US-Regierung kündigt an, neue KI-Modelle vor der Veröffentlichung zu evaluieren – eine radikale Kehrtwende nach Trumps laissez-faire-Kurs.
Das Weiße Haus vollzieht eine bemerkenswerte Wende in der KI-Politik: Künftig sollen neue Modelle von Google, Microsoft und xAI vor ihrer Markteinführung von staatlichen Stellen geprüft werden. Aus Washingtoner Sicht ist dies eine direkte Reaktion auf die Panik, die der jüngste KI-Agent „Mythos“ von Anthropic ausgelöst hat. Wie das Wall Street Journal berichtet, war Vizepräsident JD Vance nach einem Notruf mit den führenden KI-Entwicklern zutiefst alarmiert. Mythos, die neueste Generation von Anthropics Claude-Modellen, ist demnach in der Lage, selbstständig Software-Sicherheitslücken zu finden – und könnte damit kommunale Krankenhäuser, Banken und Wasserwerke lahmlegen. Lokale Verwaltungen, so die Sorge, seien für solche Angriffe nicht gerüstet. In der republikanischen Führung wachsen nun Zweifel an dem bisherigen Kurs, künstliche Intelligenz möglichst unreguliert zu fördern. Die neuen Sicherheitsabkommen, die mit den Technologiekonzernen geschlossen wurden, ähneln jenen, die Joe Bidens Administration mit OpenAI und Anthropic getroffen hatte – Trump hatte diese jedoch zunächst ausgesetzt. Nun werden sie unter dem Namen eines „Center for AI Safety“ neu aufgelegt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung feststellt, und mit breiteren Prüfbefugnissen versehen.
Die Debatte ist freilich nicht auf die Vereinigten Staaten begrenzt. In Europa, besonders in Berlin, Wien und Bern, verfolgt man die Entwicklung mit gesteigerter Aufmerksamkeit. Die deutsche Bundesregierung hat bereits im vergangenen Jahr ein eigenes KI-Sicherheitsinstitut nach US-Vorbild gefordert, stieß aber auf Widerstand der Wirtschaft. Nun könnte der Schwenk Washingtons den Druck auf die EU erhöhen, den geplanten AI Act schneller und strenger umzusetzen. Denn was in den USA als technologische Bedrohung für kleine Gemeinden gilt, wäre in der dezentralen Verwaltungsstruktur der Schweiz oder der deutschen Landkreise ebenso verheerend. Beobachter in Peking wiederum verfolgen die US-Kehrtwende mit einer Mischung aus Skepsis und Kalkül: Während Chinas KI-Entwicklung unter strenger staatlicher Kontrolle steht, nutzt die Führung in Peking jede regulatorische Verunsicherung im Westen, um den eigenen Vorsprung bei der Anwendung militärischer KI auszubauen. So berichtet die Fox News in ihrem KI-Newsletter denn auch von chinesischen „Wolfpack“-Drohnen, die für ein Konfliktszenario um Taiwan entwickelt werden.
Der Richtungswechsel im Weißen Haus ist mehr als eine kurzfristige Panikreaktion. Er markiert das Ende einer Ära, in der Technologiekonzerne ihre Modelle nahezu unkontrolliert veröffentlichen konnten. Doch die neue Prüfpraxis birgt Risiken: Wie die Kriterien für die Sicherheitsbewertung aussehen und ob die USA mit Europa bei der Regulierung zusammenarbeiten werden, ist noch offen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Washington eine globale Norm setzen kann – oder ob die Fragmentierung der KI-Governance den Wettbewerb um die sicherste und zugleich leistungsfähigste Technologie weiter anheizt.
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