
Trump fern von US-WM-Eröffnung – Rubio vertritt Präsidenten in Los Angeles
Wegen des Iran-Konflikts verzichtet Donald Trump offenbar auf die Teilnahme am Spiel USA–Paraguay; für protokollarische Kontinuität sorgt Außenminister Marco Rubio.
Die Vereinigten Staaten erleben an diesem Freitag ihren ersten eigenen großen Moment der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Doch ausgerechnet der Gastgeber-Präsident wird nicht auf der Tribüne des SoFi-Stadions in Inglewood bei Los Angeles sitzen, wenn die US-Auswahl um Trainer Mauricio Pochettino auf Paraguay trifft. Mehrere übereinstimmende Medienberichte aus den USA, darunter The Athletic und Politico, berichten unter Berufung auf interne Quellen, dass Donald Trump den Termin nicht in seinem offiziellen Kalender führt. An seiner Stelle wird Außenminister Marco Rubio das diplomatische Zeremoniell bestreiten. Das Weiße Haus und das State Department haben sich zu diesen Berichten bislang weder bestätigend noch dementierend geäußert – eine offizielle Begründung für die Abwesenheit steht aus.
Dass ein Staatsoberhaupt der Eröffnungspartie seines Landes fernbleibt, stellt in der jüngeren WM-Geschichte eine seltene Ausnahme dar. 2022 in Katar erwies Emir Tamim bin Hamad Al Thani dem ersten Spiel die Ehre, 2018 war Wladimir Putin in Moskau präsent, und auch 2014 in Brasilien verfolgte Dilma Rousseff die Partie im Stadion. Die von den USA, Mexiko und Kanada gemeinsam ausgerichtete Endrunde wird mit einer aufwendigen Eröffnungszeremonie in Mexiko-Stadt zelebriert, an deren Ende das erste Spiel des Turniers steht. Die amerikanische Premiere folgt einen Tag später im kalifornischen Inglewood. Aus Washingtoner Regierungskreisen verlautet, dass die angespannte Sicherheitslage im Zuge des andauernden militärischen Konflikts mit dem Iran Trumps Reiseplanung maßgeblich beeinflusst habe. Die Entscheidung, wenn sie denn so gefallen ist, dürfte daher weniger als protokollarische Missachtung, sondern vielmehr als pragmatische Vorsichtsmaßnahme im Zeichen einer internationalen Krise zu werten sein.
Neben dem politischen Kalkül verleiht auch das sportliche Umfeld dem Ereignis besondere Konturen. In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El País hatte sich Nationaltrainer Pochettino zuvor zu Vorwürfen geäußert, der US-Fußball leide unter einer gewissen Arroganz. Der Argentinier konterte mit der Bemerkung, er akzeptiere allenfalls die Arroganz großer Fußballnationen wie Spanien, Argentinien oder England – nicht aber jene eines aufstrebenden Gastgebers. Pochettinos Worte illustrieren die Selbstwahrnehmung einer Mannschaft, die sich auf dem Platz erst noch beweisen muss, und verleihen dem Duell gegen Paraguay zusätzliche Brisanz. Diese innenpolitisch-sportliche Dynamik wird nun von der internationalen Aufmerksamkeit um Trumps Fernbleiben überlagert.
Aus globaler Perspektive wirft die Abwesenheit des US-Präsidenten Fragen nach der künftigen Rolle Amerikas in multinationalen Großereignissen auf. Für Beobachter in Berlin, Wien oder Bern ist die WM nicht nur ein sportlicher Höhepunkt, sondern auch ein Forum der stillen Diplomatie. Trumps Nichterscheinen mag kurzfristig sicherheitspolitisch begründet sein; langfristig jedoch könnte es als Symbol einer zunehmend isolationistischen Haltung gelesen werden. Während Rubio die protokollarische Lücke füllt, bleibt die eigentliche Botschaft zwiespältig: Die USA sind Gastgeber, doch ihr Präsident bleibt dem eigenen Festakt fern. Es wird sich zeigen müssen, ob diese Entscheidung die transatlantischen Partner befremdet oder im Kontext der Iran-Krise auf Verständnis stößt. Sicher ist: Die Weltöffentlichkeit wird genau hinschauen, wenn am Freitagabend in Kalifornien der Ball rollt – ohne den Mann, der eigentlich den symbolischen Anpfiff geben sollte.
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.60 | critical |
Südostasiatische Medien ignorierten Trumps Abwesenheit beim Eröffnungsspiel der US-Mannschaft und konzentrierten sich auf innenpolitische Themen wie Gesundheit, Fischerei und Infrastruktur. Dies spiegelt eine pragmatische Distanzierung vom US-politischen Symbolismus wider, die lokale Regierungsführung und alltägliche Belange priorisiert.
Lateinamerikanische Medien stellen Trumps Abwesenheit als Symptom der unilateralen und militaristischen Haltung seiner Regierung dar und verweisen auf seine gleichzeitigen Drohungen, das iranische Öl und Gas zu übernehmen. Historisch niedrige Ticketverkäufe und leere Stadien gelten als Spiegel der Skepsis gegenüber US-geführten Veranstaltungen; die Sportdiplomatie kann die sich vertiefenden geopolitischen Gräben nicht kaschieren.
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