
Trump mahnt Netanyahu zur Zurückhaltung: Der fragile Waffenstillstand im Libanon auf der Kippe
Die Vereinigten Staaten haben die roten Linien für Israel im Libanon neu gezogen. Präsident Donald Trump forderte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einem Telefonat auf, sich auf präzise, chirurgische Schläge zu beschränken und den vollständigen Wiederausbruch der Kampfhandlungen zu vermeiden. Aus Washingtoner Sicht ist die Lage eindeutig: Der bisherige israelische Kurs, bei dem ganze Gebäude zerstört werden, schade dem Ansehen Israels in der Welt und sei „zu furchtbar“, wie Trump dem Nachrichtenportal Axios mitteilte. Die Administration drängt auf einen neuen diplomatischen Anlauf, für den Israel den notwendigen Raum schaffen müsse. Hintergrund ist ein nur teilweise eingehaltenes Waffenstillstandsabkommen, das bereits im Mai ausläuft und dessen vollständiger Kollaps beide Seiten fürchten.
In Israel stößt die amerikanische Mahnung auf eine militärische Führung, die keine Atempause gewähren will. Generalstabschef Eyal Zamir verkündete aus dem Südlibanon, der Kampf gehe weiter. Zugleich sucht Netanyahu Zeit zu gewinnen: Israel hat Washington um eine diplomatische Frist von maximal zwei bis drei Wochen gebeten, um mit der libanesischen Regierung zu verhandeln. Sollte keine Einigung erzielt werden, erwartet man in Jerusalem die Freigabe zur Rückkehr zur „ursprünglichen Planung“. Die Realität im Norden Israels spricht jedoch eine andere Sprache. Die Hisbollah hat erstmals eine mit Glasfasertechnik gesteuerte Drohne auf den Westen Galiläas abgefeuert; Raketenalarm ertönte an 15 Orten. Beobachter in Tel Aviv werten dies als gezielten Versuch der Miliz, die Gespräche platzen zu lassen.
Aus Beiruter Perspektive ist die Lage noch verworrener. Die politische Führung in der Hauptstadt steht unter massivem Druck der Hisbollah, die direkte Verhandlungen mit Israel ablehnt. Parlamentspräsident Nabih Berri, ein enger Verbündeter der Miliz, verweigert sich bislang jedem Treffen mit Präsident Joseph Aoun und Premierminister Nawaf Salam, das den Weg für Gespräche ebnen könnte. Trump selbst hat sich demonstrativ auf die Seite der libanesischen Souveränität gestellt und seine Bewunderung für das Land bekundet – freilich mit der Einschränkung, dass erst der Iran als „Zerstörer des Libanon“ ausgeschaltet werden müsse, dann erledige sich die Hisbollah von selbst. Diese Verquickung der Konflikte am östlichen Mittelmeer mit dem Atomstreit mit Teheran macht eine Lösung unwahrscheinlich.
Sollte die Waffenruhe in den nächsten Wochen endgültig zerbrechen, droht eine Eskalation, die weit über die Grenzen des Libanon hinausreicht. Aus Sicht europäischer Hauptstädte, allen voran Berlin, Wien und Bern, wäre dies nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch ein strategischer Rückschlag für die gesamte Region. Die Forderung Trumps nach Zurückhaltung wirkt wie ein letzter Versuch, den Frieden zu retten – doch angesichts der unversöhnlichen Positionen auf dem Boden könnte die Diplomatie bereits gescheitert sein, bevor sie richtig begonnen hat.
Erweitere deinen Horizont
Trump setzt geplante Großangriffe auf Iran aus und knüpft Bedingungen an rasche Einigung
2 Sprachen · 74 Quellen
Aus Economy & MarketsErste koordinierte Yen-Intervention seit 1998: USA und Japan stützen die japanische Währung
8 Sprachen · 22 Quellen
Aus TechnologyChery Q erhält auf der GIIAS 2026 über 6.000 Vorbestellungen
1 Sprache · 15 Quellen