
US-Sanktionen gegen chinesische Raffinerie und Blockade der Straße von Hormuz
Mit einem beispiellosen Doppelschlag erhöht Washington den Druck auf das iranische Regime: Das amerikanische Finanzministerium belegte am Freitag den chinesischen Ölkonzern Hengli Petrochemical sowie rund vierzig Reedereien und Tanker mit Sanktionen, während das US-Militär bereits in diesem Monat eine physische Blockade der Straße von Hormuz errichtet hat. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, jene Ölexporte abzuwürgen, die aus Washingtoner Sicht die letzte finanzielle Lebensader eines „instabilen Regimes“ und die Quelle für die Finanzierung militärischer Abenteuer in der Region darstellen. Die Doppelstrategie markiert eine gefährliche Eskalation, die weit über den Nahen Osten hinausstrahlt.
Die nun sanktionierte Hengli-Anlage im nordostchinesischen Dalian verarbeitet bis zu 400.000 Barrel Rohöl pro Tag und gehört damit zu den größten unabhängigen Raffinerien Chinas. Seit 2023 habe das Unternehmen iranisches Rohöl im Wert von mehreren Milliarden Dollar abgenommen, heißt es im US-Finanzministerium. Gemeinsam mit Hengli trifft der Sanktionshammer einen weit verzweigten „Schattenflotte“ getauften Schiffs- und Reedereiverbund, der iranisches Öl unter falscher Flagge auf die Weltmärkte bringt. Finanzminister Scott Bessent unterstrich, man werde den finanziellen Druck auf Zwischenhändler und Abnehmer unvermindert fortführen – ein klares Signal an Banken, die solche Geschäfte abwickeln. Das Vorgehen ist Teil der von Präsident Trump ausgerufenen Kampagne „Economic Fury“, die dem Mullah-Regime die Einnahmen entziehen soll.
Beobachter in Peking lesen den Schritt auch als machtpolitischen Wink wenige Wochen vor dem geplanten Besuch Trumps in der chinesischen Hauptstadt. Die Ausweitung der sekundären Sanktionen auf einen Schwergewichtsbetrieb der Volksrepublik stellt die chinesische Energieversorgung auf eine harte Probe und birgt erhebliches Konfliktpotenzial zwischen beiden Wirtschaftsmächten. Dass parallel die für den Welthandel zentrale Hormuz-Straße faktisch blockiert wird, schränkt den physischen Ölfluss zusätzlich ein und könnte China zwingen, auf kostspieligere alternative Lieferrouten auszuweichen.
In Moskau, wo man die Entwicklung mit Sorge verfolgt, und in Teheran gelten die neuen Sanktionen und die Seeblockade als Bestandteil eines umfassenden Wirtschaftskriegs. Die fragile Waffenruhe, auf die sich die Konfliktparteien in der Region mühsam verständigt haben, steht damit auf noch wackligeren Füßen. Teheran drohte bereits mit einer entschlossenen Antwort, sollte die Blockade von Dauer sein.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bildet das amerikanische Vorgehen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits droht eine dauerhafte Störung der Hormuz-Passage, durch die rund ein Fünftel des globalen Ölhandels fließt, die Rohölpreise in die Höhe zu treiben und den mühsam wiederhergestellten Inflationsrückgang zu gefährden. Andererseits geraten europäische Firmen, die noch über Altverträge oder verdeckte Kanäle Iran-Geschäfte betreiben, nun unmittelbar in den Sog der US-Sekundärsanktionen. Exportorientierte Volkswirtschaften des DACH-Raums blicken daher mit wachsender Unruhe auf eine Konfrontation, die jederzeit auf die globalen Lieferketten durchschlagen kann.
Diplomaten in Berlin und Bern mahnen zur Deeskalation und drängen auf einen baldigen Neustart der eingefrorenen Gespräche. Die Analyse westlicher Sicherheitskreise fällt jedoch nüchtern aus: Das amerikanische Kalkül, den Iran durch maximalen wirtschaftlichen und militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu zwingen, erhöht zugleich das Risiko unkontrollierbarer Zwischenfälle im Persischen Golf. Ein Funke genügt, um aus der gegenwärtigen Blockade einen Flächenbrand zu entfachen, vor dem sich derzeit noch jeder Kontinent fürchtet.
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