
USA bereiten Anklage gegen Raúl Castro vor – Kubas Ex-Präsident im Fadenkreuz Washingtons
Das US-Justizministerium will den 94-jährigen Raúl Castro anklagen. Eine Festnahme nach dem Vorbild der Maduro-Entführung scheint möglich.
Das US-Justizministerium bereitet nach übereinstimmenden Medienberichten in den kommenden Tagen die Anklage gegen Raúl Castro vor, den früheren Präsidenten Kubas. Aus Washingtoner Sicht ist dies der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Kampagne, die den Druck auf die kommunistische Führung in Havanna bis zum Äußersten steigern soll. Die Anklage bezieht sich auf den Abschuss zweier ziviler Flugzeuge der Exilorganisation Brothers to the Rescue im Jahr 1996, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Beobachter in Washington verweisen auf die Ähnlichkeit mit der Taktik, die zur Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro im Januar geführt hatte: eine strafrechtliche Verfolgung, die einer militärischen Ergreifung den Weg ebnet. Der 94-jährige Castro, formell aus allen Ämtern ausgeschieden, gilt noch immer als die graue Eminenz des kubanischen Politbüros.
Aus Havannaer Perspektive erscheint die Anklage als direkter Angriff auf das Vermächtnis der Revolution. Raúl Castro, der sich vom Schatten seines Bruders Fidel zum unnachgiebigen Stratege des Regimes entwickelte, verkörpert die ungebrochene Kontinuität des castristischen Staates. Die kubanische Führung wird die juristische Offensive als Teil eines umfassenden Plans zur Destabilisierung werten, zu dem bereits die Blockade von Öllieferungen und die wiederholte Androhung einer Invasion gehören. In europäischen Hauptstädten wie Berlin und Wien verfolgt man die Entwicklung mit wachsender Sorge. Die EU hatte sich stets um einen Dialog mit Kuba bemüht; die Zuspitzung durch Washington droht nun jeden Spielraum für Diplomatie zu ersticken.
Die Anklageerhebung ist für diesen Mittwoch angesetzt und soll zeitlich mit der weiteren Verschärfung der Wirtschaftssanktionen zusammenfallen. Allerdings ist fraglich, ob das Weiße Haus tatsächlich den politischen Willen zu einer militärischen Operation gegen den betagten Castro aufbringt. Wie die „New York Times“ aus Regierungskreisen erfahren haben will, stünde eine solche Aktion zwar auf dem Prüfstand, doch die Risiken – insbesondere die physische Verfassung des 94-Jährigen – seien hoch. Die amerikanische Strategie zielt letztlich auf einen Regimewechsel ab, doch die entscheidende Variable bleibt der Ausgang der Novemberwahlen. Eine neue Administration in Washington könnte einen anderen Kurs einschlagen; fürs Erste aber steht Kubas Führung vor der schwersten Herausforderung seit dem Ende des Kalten Krieges.
| Israelische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
| Russische & GUS-Presse | −0.80 | critical |
Die israelische Presse stellt die Geschichte als eine neue Eskalation der Spannungen zwischen den USA und Kuba dar, wobei Washington eine Anklage gegen den betagten Ex-Präsidenten vorbereitet – eine Taktik, die mit der 'Entführung' des Venezolaners Maduro verglichen wird. Sie hebt den amerikanischen Druck auf einen Regimewechsel hervor und warnt vor weiteren Konflikten.
Die kontinentaleuropäische Presse stellt die Anklage als symbolischen Schlag gegen die letzte Ikone des revolutionären Kuba dar und beschreibt Raúl Castro als historische Figur, die nun im Fadenkreuz Washingtons steht. Die Berichterstattung mischt sachliche Details zur US-Rechtsstrategie mit historischem Kontext und zeigt eine ausgewogene, aber leicht skeptische Sicht auf die Motive der USA.
Die russische Staatsmedien berichten, dass die USA eine Gefangennahmeoperation gegen Raúl Castro planen, das Maduro-Szenario wiederholen und Washington aggressive Einmischung vorwerfen. Der Ton ist alarmistisch und verurteilend, betont den US-Imperialismus und stellt Kuba als Opfer dar.
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