
Vereinigte Arabische Emirate kaufen zehn Transportflugzeuge aus Brasilien und stärken BRICS-Bindung
Die UAE ordern zehn C-390 Millennium von Embraer mit Option auf zehn weitere. Der Deal festigt die militärische Kooperation innerhalb der BRICS-Staaten.
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen der größten internationalen Aufträge für das brasilianische Transportflugzeug C‑390 Millennium unterzeichnet. Das Abkommen, das am Montag auf der Plattform „Make It in the Emirates 2026“ in Abu Dhabi besiegelt wurde, umfasst zehn fest bestellte Maschinen sowie eine Option auf zehn weitere. Die von der Tawazun Council for Defence Enablement vergebene Order schließt zudem umfassende Wartungs-, Reparatur- und Überholungsdienstleistungen ein, die gemeinsam mit einem einheimischen Rüstungsunternehmen erbracht werden sollen. Die Wahl fiel nach einem intensiven Evaluierungsprozess, der auch operative Tests in den Emiraten umfasste – ein Hinweis darauf, dass die Streitkräfte auf hohe Einsatzbereitschaft und niedrige Lebenszykluskosten Wert legten.
Die strategische Bedeutung dieses Geschäfts reicht weit über die reine Materialbeschaffung hinaus. Aus Abu-Dhabi-Perspektive dient die Aufstockung der Lufttransportflotte der Absicherung gegen die wachsenden Spannungen mit dem Iran. Die Emirate, die seit 2022 als BRICS‑Mitglied geführt werden, nutzen die Kooperation mit Brasiliens Luftfahrtexporteur zugleich als Hebel, um ihre Bindung an den Block zu festigen. Der Schritt ist Teil einer breiteren Diversifizierung der Rüstungspartner: Statt sich ausschließlich auf westliche Lieferanten zu stützen, öffnet sich das Land zunehmend für Anbieter aus Schwellenländern.
In Brasília feiert man den Vertrag als Durchbruch für die heimische Verteidigungsindustrie. Embraers Vorstandschef Bosco da Costa Junior sprach von einem „differenzierten“ Abkommen und kündigte weitere Verhandlungen im Nahen Osten an – sowohl über die C‑390 als auch über das leichte Kampfflugzeug Super Tucano. Die Börse in São Paulo quittierte die Nachricht mit einem Kursplus von über drei Prozent. Das Unternehmen hat sich damit nach zwölf Kundenstaaten nun auch in einer der konfliktreichsten Regionen der Welt etabliert.
Betrachtet man den Deal aus Washingtoner Perspektive, so zeigt sich ein subtiler Wandel in den Allianzen des Golfstaats. Zwar bleiben die USA der wichtigste Sicherheitsgarant der Region, doch die Aufnahme der Emirate in die BRICS‑Familie und der nunmehrige Rüstungskauf bei einem Mitglied des Blocks deuten auf eine behutsame Loslösung von der einseitigen Abhängigkeit hin. Europas Rüstungsindustrie, namentlich Airbus mit dem A400M, muss sich auf einen neuen Wettbewerber einstellen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Luftstreitkräfte teils auf vergleichbare Transportkapazitäten angewiesen sind, signalisiert der Erfolg der C‑390, dass sich der Markt für taktische Transporter weiter öffnet – mit Preisdruck und möglichen Kooperationsangeboten aus Südamerika.
Die nächsten Schritte werden zeigen, ob die Option auf die zweiten zehn Maschinen eingelöst wird und ob Embraer in der Region weitere Partner findet. Experten erwarten, dass die in den Emiraten aufgebaute MRO‑Infrastruktur als Drehkreuz für den gesamten Nahen Osten dienen könnte. Sollte der Deal wie geplant umgesetzt werden, würde die Luftwaffe der UAE über eine der modernsten Transportflotten der arabischen Welt verfügen – und Brasiliens Rüstungsindustrie einen strategischen Brückenkopf zwischen Atlantik und Indischem Ozean errichten.
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