
Weißes Haus beschuldigt China des massenhaften Diebstahls von KI-Technologie
Das Weiße Haus hat China vorgeworfen, in einem „industriellen Maßstab“ die Technologien amerikanischer KI-Labore zu stehlen. In einem internen Memorandum, das der Direktor des Amtes für Wissenschafts- und Technologiepolitik, Michael Kratsios, verfasste, heißt es, die Regierung verfüge über Informationen, dass ausländische Akteure, „hauptsächlich mit Sitz in China“, systematisch die Kapazitäten fortschrittlicher Systeme durch einen als „Destillation“ bekannten Prozess kopierten. Dabei werden Modelle über zehntausende von Proxy-Konten trainiert, die aus den Antworten der amerikanischen KI generiert wurden – eine Technik, die ohne Erlaubnis rechtlich fragwürdig ist. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich nicht um eine Reihe isolierter Vorfälle, sondern um eine koordinierte Kampagne, die nicht nur den technologischen Vorsprung der USA untergräbt, sondern auch die nationale Sicherheit gefährdet. Die Ankündigung kommt nur wenige Wochen vor einem geplanten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Joe Biden und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und dürfte die ohnehin fragile Atmosphäre weiter belasten.
Beobachter in Peking wiesen die Vorwürfe umgehend zurück. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington betonte, die Entwicklung der eigenen KI sei „das Ergebnis harter Arbeit und internationaler Zusammenarbeit“. Tatsächlich hat die chinesische Führung in den vergangenen Jahren massiv in die heimische Forschung investiert und eigene Modelle wie DeepSeek auf den Markt gebracht, das bereits im Februar von OpenAI des Diebstahls bezichtigt wurde. Aus Pekinger Perspektive ist der Vorwurf Teil einer langen Reihe amerikanischer Versuche, den technologischen Aufstieg Chinas zu behindern. Die Technik der Destillation, so argumentieren chinesische Experten, sei an sich nicht illegal und werde weltweit eingesetzt.
Für die deutschsprachigen Länder ergeben sich aus diesem Konflikt unmittelbare Konsequenzen. Deutschland, Österreich und die Schweiz, die stark auf die transatlantische Partnerschaft und gleichzeitig auf den Zugang zu chinesischen Märkten angewiesen sind, stehen vor der Herausforderung, eine neutrale Position zu wahren. Während europäische KI-Unternehmen von den amerikanischen Sicherheitswarnungen profitieren könnten, indem sie sich als vertrauenswürdigerer Partner positionieren, droht eine weitere Fragmentierung der globalen Technologielandschaft. Die EU erwägt bereits eigene Regelungen zur Sicherung geistigen Eigentums und könnte sich gezwungen sehen, strengere Exportkontrollen für KI-Technologien zu verhängen. Die Entwicklung zeigt vor allem eines: Der Wettlauf um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz hat eine neue Eskalationsstufe erreicht, in der technologische Zusammenarbeit zunehmend dem geopolitischen Misstrauen weicht.
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