
Passworttag offenbart Sicherheitslücken: Italien besonders betroffen, KI als neue Gefahr
Am Welt-Passworttag zeigen Daten: 67 Prozent italienischer Firmen erleiden Credential-Diebstahl, dreimal mehr als im EU-Schnitt. Künstliche Intelligenz schafft neue Risiken.
Der diesjährige Welt-Passworttag fördert ein alarmierendes Gefälle zutage: Während in Europa durchschnittlich ein Viertel der Unternehmen nach einem Angriff gestohlenen Zugangsdaten beklagt, sind es in Italien zwei Drittel der betroffenen Organisationen. Das geht aus einer Analyse des Sicherheitsunternehmens Genetee hervor, die anlässlich des Aktionstages am ersten Donnerstag im Mai veröffentlicht wurde. Zugleich geben nur 17 Prozent der italienischen Unternehmen an, dass die Zahl der physischen oder digitalen Sicherheitsvorfälle im Jahr 2025 gestiegen sei – im restlichen Europa sind es doppelt so viele. Italiens Betriebe scheinen also weniger Angriffen ausgesetzt, aber wenn sie getroffen werden, dann mit umso größerer Wucht, insbesondere durch den Diebstahl von Passwörtern. Die Diskrepanz deutet auf strukturelle Schwächen bei der Authentifizierung hin, die über bloße Zahlen hinausgehen.
Der Welt-Passworttag selbst hat eine vergleichsweise junge Geschichte. Der Sicherheitsexperte Mark Burnett regte ihn 2005 an, Intel machte ihn 2013 offiziell. Ziel war und ist es, die grundlegenden Fehler bei der Passwortwahl zu bekämpfen: einfache Kombinationen wie „123456“ oder „Passwort“, die auch in den USA nach wie vor zu den häufigsten gehören, sowie das Fehlen einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. In einer Zeit, in der Cyberangriffe längst den Alltag von Privatpersonen und Betrieben bestimmen, wirkt die bloße Aufforderung zu sicheren Passwörtern fast antiquiert. Denn die Bedrohungslage hat sich durch den Siegeszug der generativen Künstlichen Intelligenz grundlegend gewandelt.
Aus amerikanischer Perspektive rückt ein neues Risiko in den Vordergrund: Rund 45 Prozent der Arbeitnehmer geben vertrauliche Daten in KI-Anwendungen ein, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Solche versehentlichen Datenlecks können Unternehmen massiv schaden, da die eingegebenen Informationen häufig von den Dienstanbietern weiterverarbeitet oder in Trainingsdatensätzen gespeichert werden. Unternehmensleitungen stehen vor der Herausforderung, klare Richtlinien für den Umgang mit KI-Werkzeugen zu erlassen – doch die wenigsten tun dies bislang. In Mexiko und Spanien, wo der Aktionstag ebenfalls begangen wird, warnen Experten zudem vor der Verwendung desselben Passworts für mehrere Dienste – ein Kardinalfehler, der Angreifern Tür und Tor öffnet, sobald eine einzige Plattform kompromittiert ist.
Die Sicherheitslücke, die sich durch die Verknüpfung schwacher Passwörter mit menschlichem Leichtsinn auftut, wird durch technische Entwicklungen weiter vergrößert. Während Sicherheitsfirmen und Regulierungsbehörden auf biometrische Verfahren und passwortlose Authentifizierung setzen, bleibt das einfache Passwort noch immer die meistgenutzte Zugangssperre. Der Blick nach Italien zeigt, dass reine Bewusstseinskampagnen allein nicht ausreichen: Dort muss die qualitative Verbesserung des Credential-Managements oberste Priorität bekommen, um die Lücke zum europäischen Niveau zu schließen. Künftig werden hybride Modelle aus Passwort, biometrischer Bestätigung und verhaltensbasierter Erkennung nötig sein – auch um die neuen Risiken durch KI zu adressieren. Der Welt-Passworttag mahnt nicht nur zur Wachsamkeit, sondern fordert eine strategische Neuausrichtung der digitalen Identitätssicherung.
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