
Währungsruhe in Lateinamerika: Argentiniens Peso stabil, Mexikos Peso erstarkt
Trotz geopolitischer Spannungen zeigen die Devisenmärkte in Argentinien und Mexiko ein gegensätzliches Bild: Stabilität am Rio de la Plata, Stärke am Golf.
Die Währungsmärkte Lateinamerikas präsentieren sich Anfang Mai in ungewohnter Ruhe – eine Entwicklung, die umso bemerkenswerter ist, als die globalen politischen Risiken, insbesondere der Nahostkonflikt, weiterhin bestehen. In Argentinien notiert der offizielle Dollar am Donnerstag bei 1.410 Pesos pro Einheit, der informelle „Blue“-Dollar liegt bei 1.400 Pesos; die Differenz schrumpft auf etwas über ein Prozent. Diese Stabilität ist vor allem der starken Devisenliquidität aus der laufenden Ernte geschuldet, die den Markt mit Angebot versorgt. Auch die Finanzdollar MEP und CCL bewegen sich mit 1.437 beziehungsweise 1.493 Pesos in engen Bandbreiten. Beobachter in Buenos Aires werten dies als Zeichen einer erfolgreichen Ankerpolitik der Zentralbank, die den offiziellen Wechselkurs über Bandbreiten an die Inflationsentwicklung koppelt. Der Ausblick bleibt jedoch verhalten: Das am Donnerstag veröffentlichte Relevamiento de Expectativas de Mercado (REM) des BCRA wird zeigen, ob die Marktteilnehmer weiterhin mit einer monatlichen Inflationsrate von rund 2,3 Prozent rechnen – ein Wert, der die reale Aufwertung des Peso fortsetzen würde.
Ganz anders stellt sich die Lage in Mexiko dar. Der Dollar fiel auf 17,20 Pesos – ein Niveau, das zuletzt vor über einem Jahr erreicht wurde. Die Inflation sank im April auf 4,45 Prozent, den niedrigsten Stand seit 2021. Vor diesem Hintergrund erwarten die meisten Analysten, dass die Notenbank Banxico am Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf 6,50 Prozent senken wird – möglicherweise die letzte Lockerung in diesem Zyklus. Der starke Peso entlastet zwar die Importpreise, belastet jedoch die Exportwirtschaft. Aus deutscher und österreichischer Perspektive ist dies besonders relevant, da Mexiko ein wichtiger Handelspartner für die Automobil- und Maschinenbauindustrie ist. Eine anhaltende Aufwertung des Peso könnte die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure in der Region beeinträchtigen, während sie gleichzeitig die Inflationserwartungen in Mexiko weiter dämpft.
Ein Kontrastprogramm bietet der iranische Rial. Sowohl der Dollar als auch der Euro verzeichneten einen leichten Anstieg, der Dollar erreichte 147.434 Rial, der Euro 173.296 Rial. Dies spiegelt die anhaltenden Sanktionen und die innenwirtschaftliche Schwäche wider. In Kolumbien zeigt der Dollar eine hohe Volatilität, der Euro notiert bei 4.364 Pesos. Kryptowährungen wie Bitcoin erholten sich in der letzten Woche um 2,5 Prozent, bleiben aber auf Jahressicht mit minus 28 Prozent tief im roten Bereich – dies deutet darauf hin, dass Anleger weiterhin vorsichtig sind.
Der Blick nach vorn wird von geldpolitischen Entscheidungen in Mexiko und Argentinien bestimmt. Sollte die Banxico die Zinsen senken, könnte der Peso leicht nachgeben, während der argentinische Peso von der Fortsetzung der fiskalischen Disziplin abhängt. Für den deutschsprachigen Raum bleibt die Entwicklung der lateinamerikanischen Währungen ein wichtiger Indikator für die globale Inflationsdynamik und die Risikobereitschaft der Märkte.
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